Vermögensprofis entdecken Gold. Besser gesagt: Goldminenaktien.
WIEN (ju). Jahrelang ist die frühere "Fluchtwährung" Gold von Anlegern (zu Recht) verschmäht worden. Jetzt rückt das gelbe Metall plötzlich wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Allerdings nicht in Form von Barren, sondern in Form von Aktien: Immer mehr Vermögensverwalter nehmen diese Papiere ins Portfolio.
Von einem richtigen Run auf Minenwerte ist zwar noch nicht die Rede, aber das plötzlich erstarkte Interesse deutet doch darauf hin, daß die Unsicherheit unter professionellen Anlegern zunimmt.
Begonnen hatte es mit gesteigertem Interesse an Anglogold. Aktuell erscheinen nun Barrick Gold, Harmony Gold und Goldfields auf den Einkaufslisten auf. Die beiden letztgenannten Titel haben es in der vorigen Woche in die Top-Five der meistgefragten Papiere gebracht.
Die Kurse der meisten Goldminenaktien sind - mit kurzen Unterbrechungen - schon seit Dezember konstant auf dem Weg nach oben. Einige Kurse haben sich nahezu verdoppelt. Experten neigen zur Ansicht, daß das Potential nach oben noch nicht ausgeschöpft ist.
Das Potential der anderen Aktien scheint dagegen weiterhin begrenzt zu sein: "Es liegt ein riesiger Deckel auf der Börse", meinte ein Vermögensverwalter dazu. Man habe sich mittelfristig zwar auf eine Seitwärtsbewegung an den Märkten eingestellt, beunruhigend sei aber, daß sich der Trendkanal fast unmerklich nach unten zu neigen beginne.
Konnte Firstfive in der Vorwoche noch zahlreiche Käufe in AOL Time Warner vermelden, so gibt es unterdessen bereits wieder zahlreiche Verkäufe in diesem Wert. Gefragt ist dagegen weiterhin Nokia, obwohl man der Handybranche vor kurzem noch eine eher düstere Zukunft prophezeit hatte. Wenn es um Papiere aus dem Finanzbereich geht, dann zieht es die Vermögensprofis in jüngster Zeit stark ins Ausland: Gekauft wurden zuletzt vor allem Credit Suisse und Generali.
Warum SAP immer wieder auf den Verkaufslisten auftaucht, erscheint vielen eher als Rätsel. Möglicherweise fürchten einige Vermögensprofis einen Preiskrieg, ausgelöst durch die jüngsten Preissenkungen des Konkurrenten Oracle. Auch das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm könnte den Wert überdurchschnittlich belasten, heißt es. Tatsache ist jedenfalls, daß SAP in den Firstfive Depots langsam in die Bedeutungslosigkeit zurückfällt.
Untergewichtet sind unterdessen auch die Papiere deutscher Autohersteller. Und jetzt tauchen DaimlerChrysler und Volkswagen unter den Top-Verkäufen auf. BMW kann das nicht passieren, weil der Wert in den Firstfive Depots gar nicht mehr vorkommt. Zumindest mittelfristig haben die Investoren die Hoffnung auf kräftige Auto-Kurssteigerungen wohl aufgegeben.