Schweizer Kulturschock für die Deutsche Bank

Mit Josef Ackermann wird erstmals ein Ausländer Chef des größten deutschen Geldinstituts.

Ich bin 30 Minuten von der deutschen Grenze entfernt aufgewachsen und zahle seit sechs Jahren in Deutschland meine Steuern": Josef Ackermann, der heute, Mittwoch, von Rolf E. Breuer das Amt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank übernimmt, räumte schon anläßlich der Bilanzpressekonferenz Anfang 2002 Verdächtigungen aus, er würde als angelsächsisch geprägter Investmentbanker die Bank bald von London aus führen.

Ackermann ist gebürtiger Schweizer und Jahrgang 1948. Der Sohn eines Arztes schlug nach dem Studium zuerst die wissenschaftliche Laufbahn ein. Doch schon bald wechselte er ins Bankfach und startete nach Lehrjahren in London und New York seine Karriere bei der Schweizerischen Kreditanstalt. Als er den Chefposten dort nicht bekam, verließ er im Streit die Bank.

Doch diese bisher einzige, wenngleich heftige Niederlage war rasch vergessen. Hilmar Kopper, der damalige Chef der Deutschen Bank, holte ihn nach Frankfurt. Dort stürzte sich der mit einer finnischen Studienkollegin verheiratete Vater einer Tochter in die Sparte Investmentbanking, führte diese zu internationaler Geltung und verdiente mit seiner Truppe in London und New York gutes Geld, während das traditionelle Bankgeschäft in Deutschland alles andere als lukrativ war und ist.

Vor Ackermann liegt eine gigantische Aufgabe. Er muß künftig nicht nur Investmentbanker sein, sondern ein Mann für die ganze Bank. Besonders wichtig ist für ihn das Vertrauen der Kapitalmärkte, die ihm ganz sicher keinen Tag Schonfrist einräumen werden. Er muß die Bank profitabler machen und den zuletzt dahindümpelnden Aktienkurs in die Höhe bringen. Heute macht die Börsenkapitalisierung der Deutschen Bank knapp 50 Mrd. € aus, während die amerikanische Citigroup, an der man sich in "Mainhattan" so gerne mißt, an der Börse mit rund 260 Mrd. € bewertet wird.

Bleibt Ackermann erfolglos, kann er sich seine ehrgeizigen Akquisitionspläne abschminken. Kenner glauben, daß er insgeheim von einem Zusammenschluß mit der schweizerischen Credit Suisse Group träumt. Dieser europäische Bankriese wäre in der Tat ein echtes Pendant zur Citigroup.

Ackermann hat bei seiner schwierigen Aufgabe allerdings auch einiges im Talon: Immerhin sitzt sein Haus auf einem gigantischen Beteiligungsimperium (DaimlerChrysler, Allianz, Conti, usw.), das 15 Mrd. € wert ist und zügig verkauft werden soll. Mit dem Erlös will die Bank Aktien zurückkaufen und damit den Aktienkurs kräftig nach oben treiben. Damit wäre die Deutsche Bank auch dagegen gefeit, selbst zum Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.