Firstfive. Anlageprofis beginnen, ihre Kaufunlust abzulegen.
WIEN (red.). Ist es ein gutes Omen für die Börse? Umfang und Zahl der Käufe der professionellen Vermögensverwalter liegen deutlich über denen der Verkäufe. Es scheint als hätten sich die Asset Manager eine rosarote Brille aufgesetzt.
Die bereits an dieser Stelle geäußerte Vermutung von Firstfive, daß sich möglicherweise allen Unkenrufen und Schwarzmalereien zum Trotz die Trendwende an den Börsen vollzogen hat, ohne daß dies die meisten Marktteilnehmer und -beobachter so recht glauben wollten, scheint sich zu bewahrheiten.
Es schweben noch immer der drohende Irakkrieg und eine weltweite Deflation wie ein Damoklesschwert über den Märkten, doch derzeit schaut offenbar niemand nach oben, sondern gebannt nach vorn. Zwar überstürzen die Vermögensverwalter nichts und setzen noch nicht ihre angesammelte Liquidität zur Gänze ein, doch die Auswahl der georderten Titel läßt den Schluß zu, daß die Asset Manager in der Mehrzahl den Prognosen der Berufspessimisten kein Gehör mehr schenken wollen. So wird denn die alte Börsenweisheit bestätigt, nach der ein überproportionaler Pessimismus an den Finanzmärkten meist die Trendwende einläutet.
Daß sich eine VW-Aktie auf der Liste der Topkäufe (s. Tabelle) ganz oben wiederfindet, läßt tatsächlich hoffen. Wer in einem solchen konjunkturellen Umfeld wieder Autoaktien anfaßt, stellt fraglos seinen Optimismus unter Beweis. Denn die letzten Zahlen der Wolfsburger lagen zwar über den Erwartungen, waren aber dennoch nicht sonderlich positiv. Zudem wurden jüngst DaimlerChrysler massiv veräußert. Mit Jenoptik findet man auch wieder einen Technologiewert unter den Käufen. Interessant ist auch das zunehmende Interesse der Asset Manager an Konsumwerten. Auch diese sind derzeit ebenso erstaunlich hoch gewichtet, betrachtet man die weltweit spürbare Zurückhaltung der Konsumenten. Nun wurde der Edelmarken-Inhaber LVMH nachgekauft.
Wie schon in der vergangenen Woche überwiegen bei den Verkäufen die US-Titel. Mit dem Pharmakonzern Merck & Co, Citigroup und der Werbeagentur Omnicom finden sich drei Titel aus den Staaten unter den Topverkäufen wieder. Die schwedische Securitas, Dienstleisterin in Sachen Sicherheit und Sicherheitstransporte, ist eher als Exot zu betrachten.
Interessant ist jedoch, daß man sich nun auch vom niederländischen Pendant zur Aktie Gelb, KPN, trennt. Der Logistikbereich ist derzeit nicht sonderlich gefragt. Das Papier der Deutschen Post ist in den Depots aller Risikoklassen mit deutlich unter einem Zehntel Prozent gewichtet. Der gesamte Sektor Transport und Verkehr, zu dem ja auch die Fluggesellschaften und deren Lieferanten gehören, ist in den von Firstfive beobachteten Portfolios mit weniger als einem Prozent gewichtet.
Bei der Analyse der von den Vermögensverwaltern in den letzten Monaten gezeigten Handlungsweisen kommt man zu dem Schluß, daß es offenbar keine einheitliche Strategie gibt, mit der man schlechte Börsenzeiten mit einem blauen Auge überstehen kann.