Goldman Sachs hat bei US-Börsengängen Großkunden billig Aktien zugeschanzt - und im Gegenzug von diesen Investmentbank-Geschäft bekommen. Den Schaden dieser Praxis hatten Kleinanleger.
WASHINGTON (bloomberg/
red). In den USA sind Kleinanleger bei Börsengängen großer Firmen während des Booms der späten neunziger Jahre offenbar systematisch benachteiligt worden. Derzeit ermitteln die US-Behörden gegen zumindest zwei große Investmentbanken (Salomon Smith Barney und Goldman Sachs) wegen der Bevorzugung großer Kunden.
Funktioniert haben die Deals nach dem "eine Hand wäscht die andere"-Prinzip: Während des Aktienbooms waren Börsengänge (IPO's, steht für Initial Public Offering) zumeist sehr stark überzeichnet. Mit dem Effekt, daß die Kurse unmittelbar nach dem Börsengang stark in die Höhe schnellten. Wer schon beim IPO oder vorher Aktien ergatterte (für Kleinanleger war das wegen der Überzeichnung praktisch unmöglich), konnte damit in wenigen Tagen sehr viel Geld verdienen.
Goldman Sachs steht nun im Verdacht, bei begehrten IPO's insgesamt 21 Führungskräften von US-Großkonzernen schon vor dem offiziellen Start große Aktienpakete zugeschanzt zu haben. Die Begünstigten konnten diese Papiere dann wenige Tage nach dem IPO mit beträchtlichen Gewinnen wieder verkaufen. Im Gegenzug haben die solcherart reichlich Beschenkten Goldman Sachs Investmentbank-Geschäfte in beträchtlichem Ausmaß zugeschanzt.
Die Vorgänge werden von einem Untersuchungsausschuß des US-Kongresses durchleuchtet. Der Kongreß beschuldigt unter anderem den Mitgründer von Yahoo, Jerry Yang, und den Chef des in einen riesigen Bilanzskandal verwickelten und unterdessen insolventen Global Crossing-Konzerns, John Legere, solcherart "leichte und schnelle Profite" gemacht zu haben.
Daß es zu einem Verfahren mit einer Verurteilung von Goldman Sachs kommt, gilt freilich als unwahrscheinlich. Es sieht so aus, als würde die Investmentbank einen außergerichtlichen Vergleich anstreben. Ein Beispiel dafür gibt es schon: Credit Suisse First Boston, der ähnliche Praktiken vorgeworfen worden waren, hatte sich mit der Börsenaufsicht SEC schon zu Beginn dieses Jahres darauf geeinigt, in einem Vergleich 100 Mill. Dollar zu bezahlen.