Knapp eine Milliarde Euro haben die Österreicher im ersten Halbjahr weniger gespart als im Vorjahreszeitraum. Eingebremst hat sich auch das Kreditwachstum.
WIEN (red.). Die Österreicher sind bekannt dafür, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht sofort auf die Ausgabenbremse zu steigen. Ähnlich wie die US-Bürger und im scharfen Gegensatz zu den Deutschen greifen sie in einer konjunkturell angespannten Lage auf ihr Erspartes zurück, um ihren Konsum nicht scharf einschränken zu müssen. Eine derartige Haltung scheint sich auch in der Halbjahresbilanz der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zu bestätigen. So haben die Österreicher im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 1,05 Mrd. Euro - das entspricht 0,8 Prozent - weniger gespart als im Vergleichszeitraum 2001.
Die letzte derartige Reduktion der Einlagen wurde vor sechs Jahren verzeichnet. Dabei sind die Zinssätze für Spareinlagen zuletzt wieder um durchschnittlich 0,11 Prozentpunkte auf 2,86 Prozent angestiegen. Nichts geändert hat sich allerdings an dem Umstand, daß per Ende Juni rund 96 Prozent aller 23,6 Millionen Spareinlagen einen Stand von weniger als 20.000 Euro aufweisen. Exakt 136 Sparbücher hatten dagegen einen Saldo von jeweils mehr als drei Mill. Euro stehen.
Abgeschwächt hat sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auch das Wachstum der Kredite. So haben sich die Österreicher um 1,94 Mrd. Euro - ebenfalls 0,8 Prozent - stärker verschuldet als im selben Zeitraum des Vorjahres. Es ist der niedrigste Anstieg seit 1999.
Weiter gestiegen ist allerdings die Beliebtheit der Fremdwährungskredite, im Gegensatz zu den Verschuldungen in Euro. Der Anteil der Ausleihungen in Fremdwährungen ist in den ersten sechs Monaten insgesamt von 18,2 auf 18,7 Prozent angestiegen. Mehr als die Hälfte der Fremdwährungskredite lautet auf Schweizer Franken. Seit Anfang 2002 ist deren Gesamtsumme um 600 Mill. Euro bzw. 2,6 Prozent angewachsen.