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Hinter chinesischen Mauern: Verstecken vor Gen-Food?

Man kann auch den Kopf in den Sand stecken - eine gute Lösung ist das nicht immer.

Der Autor ist Biologe an der Universität Wien und Biotechnologie-Experte bei der WHO in Genf.

Während es bis jetzt keinerlei Indizien für eine spezielle gentechnik-spezifische Gesundheitsgefährdung durch Nahrungsmittel - hergestellt aus gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) gibt, zeigen neue ökologische Forschungsberichte immer klarer ernstzunehmende Umweltprobleme: die Verschmutzung von Maissorten in Mexiko, multi-pestizidresistenter Raps durch Gentransfer, Auskreuzungsprobleme mit unklaren Konsequenzen für die dritte Welt bei Reis, die Diskussion um Wachstumsvorteile bei Fischen und die weltweite Schwierigkeit der Produktion von nicht kontaminiertem Saatgut.

Die Liste jener Pflanzen, welche unterschiedliche Gefährdungen zum Auskreuzen besitzen, wird immer länger und umfaßt nicht nur typische Nutzpflanzen. Und die Diskussion, ob es neben den landwirtschaftlichen Problemen auch Gefährdungen für natürliche, nicht landwirtschaftlich genutzte Ökosysteme gibt, wird wohl aufgrund der notwendigen langfristigen Beobachtungsdauer nicht so bald zu beantworten sein.

Nun hat eine neue österreichische Studie klargemacht: In der kleinstrukturierten Landwirtschaft Österreichs sei ein Nebeneinander von Gentech-Pflanzen und gentechnikfreier Anbaumethoden nicht möglich. Der Versuch, zusammenhängende ökologisch-landwirtschaftlich definierte Gebiete in Österreich gentechnikfrei zu halten und so Reservate für naturnahe, mit gentechnisch verändertem Material kaum kontaminierte Gebiete auch für die Produktion von Saatgut für den biologischen Landbau zu schaffen, wäre zu schwierig.

Besser wäre es da schon, ganz Österreich als gentechnisch freie Zone für die Nutzung von GVOs im Freiland zu erklären. Schon jetzt haben schließlich Bundesländer oder Gemeinden ihren Wunsch auf eine auch zukünftig gentechnikfreie Landwirtschaft deklariert. Eine simple, einfache Lösung? Nur - was geschieht, wenn die Europäische Union gemäß ihrer rechtlichen Vorgaben entscheidet, daß durch einen wissenschaftlichen Ausschuß als gefährdungsfrei befundene GVOs auch in Österreich ausgepflanzt werden dürfen? Wer überzeugt Landwirte, die ihr Recht auf Auspflanzung einfordern? Wird dann das Argument, daß Österreich anders sei, halten? Was geschieht, wenn die Pollenübertragung oder die weltweiten komplexen Warenströme sich nicht an Staats- oder Landesgrenzen halten? Und wie wird Österreich entscheiden, wenn gar - in naher Zukunft unwahrscheinlich genug - die internationale Biotechindustrie für österreichische landwirtschaftliche Verhältnisse geeignete, und für Konsumenten sinnvolle Produkte auf den Markt bringt? Wollen wir wirklich verhindern, daß z. B. Hightech-Pflanzen für die Produktion von menschlichen Proteinen für humanmedizinische Zwecke entwickelt, auf kleinen Feldern ausgepflanzt werden und damit hochstehendes Know-how in Österreich vermarktet wird? Wer wird beim möglichen Fall der Schutzmauer "Gentechnik-frei" um Österreich verantwortlich sein wollen, wenn es dann keine Schutzmechanismen mehr geben sollte, um eine systemische breitflächige Nutzung einzuschränken?

Österreich wird entscheiden müssen, ob es die Hände in den Schoß legt und dem trügerischen Schutz einer gentechnikfreien österreichischen Landwirtschaft vertraut, oder doch den schwierigeren Weg der Durchsetzung einer sachlich und regional differenzierenden Entwicklung im Sinne der Umwelt und damit indirekt unserer Gesundheit gehen will.

Der Beitrag stellt die persönliche Meinung des Autors dar.