WIEN/DEN HAAG/AMSTERDAM (apa/dpa/vwd). Das für den Internetverkehr in Teilen Europas wichtige Netzwerk des insolventen niederländischen Kabelunternehmens KPNQwest funktioniert noch immer, obwohl die Konkursverwalter am Freitagabend ihr Bemühen um Aufrechterhaltung des Betriebs eingestellt hatten. Lediglich in Deutschland habe es am Sonntag eine kurze Störung gegeben, sagte Konkursverwalter Eddie Meijer am Montag. Gekündigte Mitarbeiter hielten das Netz in Gang. Außerdem seien Drohungen des Energielieferanten Nuon, die Stromlieferung einzustellen, nicht verwirklicht worden. Den Angaben zufolge beraten am Dienstag Konkursverwalter aus mehreren europäischen Ländern in Amsterdam über Möglichkeiten zum Verkauf des Netzes oder Teilen davon.
In Österreich steht der Verkauf der Tochter KPNQwest Austria unmittelbar bevor. Am Montag hat bereits die Gläubigersitzung zum Verkauf getagt. Ergebnisse wurden aber vorerst keine bekannt gegeben, die Verhandlungen seien noch im Laufen, würden aber spätestens am Dienstag abgeschlossen, hieß es von Seiten des Masseverwalters Christoph Stapf am Montag zur APA.
Für den gesamten Konzern soll auf Initiative des früheren KPNQwest-Vizepräsidenten Ewout Mogendorff die niederländische Investorengruppe Trimoteur zusammen mit anderen Ex-Mitarbeitern Interesse an einer Übernahme angemeldet haben. Die Zeit zur Entscheidung dränge, da am Mittwoch in Frankreich eine juristische Frist ablaufe, verlautete in der Zentrale des verschuldeten Unternehmens. In der Vergangenheit waren das US-Unternehmen AT&T sowie der Mutterkonzern KPN als wichtige Interessenten für das Kabelnetz genannt worden.
Kreisen zufolge will unterdessen ein Syndikat der Gläubigerbanken von KPNQwest eine unabhängige Prüfung der Bilanz des Netzwerkbetreibers einleiten. Grund seien Unstimmigkeiten bei den verbuchten Umsätzen und den Verbindlichkeiten. Eine dem Unternehmen nahestehende Person sagte am Wochenende, daß die Banken eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Stand der liquiden Mittel Mitte März, als sie den letzten offiziellen Bericht erhielten, und Mitte April, als sich die Insolvenz von KPNQwest abzeichnete, festgestellt hätten.
Die Finanzinstitute - Citigroup, ABN Amro, Fortis, Barclays, Bank of America, Dresdner Kleinwort Wasserstein und Deutsche Bank - wollen Kreisen zufolge nun geltend machen, daß sie nicht ausreichend über die wahre finanzielle Situation des Netzwerkbetreibers informiert worden seien. Insbesondere gehe es dabei um die Vergabe eines Darlehens von 525 Mill. Euro Mitte März. So liege den Banken zufolge die Vermutung nahe, daß KPNQwest zu diesem Zeitpunkt bereits zahlungsunfähig gewesen sei.
KPNQwest war Ende Mai mit einer Schuldenlast von 2,2 Mrd. Euro insolvent erklärt worden. Das gut zwei Jahre vorher vom niederländischen Konzern KPN und dem US-Unternehmen Qwest gegründete Unternehmen sah seine Erwartungen auf Nachfrage für seine Datenkommunikationsdienste bei weitem nicht erfüllt.