Telekombetreiber UTA will Mitbewerber akquirieren

Für heuer wird ein EBITDA von minus acht Millionen Euro erwartet. Ein Börsegang ist erst in zwei Jahren wieder ein Thema.

WIEN (apa). Der Wiener Telefon- und Internetbetreiber UTA Telekom AG will nach nun sichergestellter Finanzierung und abgeschlossener Restrukturierung im Laufe des nächsten Jahres Mitbewerber akquirieren. "Die UTA hat nun genügend Substanz, um die Konsolidierung am Telekommarkt aktiv zu betreiben. Wir haben aber keine Eile", sagte der UTA-Aufsichtsratsvorsitzende und Tiwag-Vorstand Herbert Hönlinger gestern, Donnerstag, Abend bei einem Pressegespräch in Wien.

Interessant seien Mitbewerber, die "eine gewisse Größe und einen Mindestumsatz von 7 bis 8 Mio. Euro haben". Mit dem Zukauf werde man aber nicht warten, bis Mitbewerber in die Insolvenz schlittern, da in diesem Fall "die Kundenströme stets zur Telekom Austria zurückwandern", fügte UTA-Vorstand Johannes Schwertner dazu. Im Zuge der geplanten Akquisition werde die Raiffeisen-Gruppe (RZB, RLB Niederösterreich-Wien, Uniqa), die über die Marea Holding bzw. deren Tochter ECOT Internet Holding bereits 9 Prozent an der UTA hält, ihre Anteile an der UTA auf 25 Prozent - möglicherweise über eine Kapitalerhöhung - aufstocken, berichtete Hönlinger.

Die ursprünglichen Erwartungen für das Gesamtjahr 2002 hat die UTA indes beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) nach oben und beim Umsatz nach unten korrigiert. Die UTA werde heuer beim EBITDA den Verlust auf minus 8 Mio. Euro verringern, kündigte Schwertner an. Zuvor war noch mit minus 9,3 Mio. Euro gerechnet worden. Eine "Unsicherheit" in der Bilanz würde allerdings noch die Höhe der Rückstellungen für mögliche Forderungen der Telekom Austria an alternative Betreiber für angefallene Universaldienstkosten im Jahr 1999 darstellen.

Den Umsatz will die UTA heuer um 7,3 Prozent auf 252 Mio. Euro steigern, ursprünglich war ein Umsatz von 268 Mio. Euro erwartet worden. Diese Abweichung erklärte Schwertner mit dem Umsatzrückgang bei Geschäftskunden nach der Hochwasserkatastrophe, der Stilllegung einiger Geschäftsfelder der Netway, den noch immer weiter fallenden Preisen und Rückgängen im Carrier-Geschäft. "Der Preisdruck ist noch stärker geworden, der Verdrängungswettbewerb geht weiter", so Schwertner. Außerdem habe man heuer die Profitabilität über das Umsatzwachstum gestellt.

Die UTA sei seit Juli EBITDA-positiv, freute sich Hönlinger. Die UTA-Eigentümer - die in der Vereinigten Telekom Österreich BeteiligungsgmbH (VTÖB) zusammengeschlossenen Landesenergieversorger und Raiffeisen - würden der UTA heuer 55 bis 60 Mio. Euro und 2003 noch 10 bis 15 Mio. Euro zuschießen. Dann sei das Unternehmen ausfinanziert, so Hönlinger. Im Gesamtjahr 2003 rechnet die UTA mit einem positiven EBITDA.

Der zweitgrößte heimische Telekom-Betreiebr hat derzeit 455.000 Telefonkunden - davon 25.000 Geschäftskunden-, 330.000 Internetkunden und 15.000 ADSL-Kunden (Breitband-Internet). Die UTA werde nun eine Neuorientierung von Marketing und Vertriebs sowie ein umfassendes Kundengewinnungsprogramm starten und das Werbebudget dafür signifikant erhöhen, kündigte UTA-Vorstand Romed Karre an. Die Stoßrichtung dabei sei, Kundenzahlen, Umsatz und Profitabilität in einem nicht näher definierten Zeitraum auf derzeitiger Basis zu verdoppeln.

Über die Möglichkeit eines Börsegangs werde die UTA erst in 24 Monaten wieder nachdenken, da das Börseklima derzeit schlecht sei und sich der Telekommarkt nur zäh erhole, sagte Hönlinger. Einen Einstieg in den Mobilfunkmarkt schließt die UTA weiterhin aus: "Wir glauben nicht an die Konvergenz von Festnetz und Mobilfunk und halten den Mobilfunkmarkt für übersättigt", betonten Hönlinger und die beiden UTA-Vorstände. Über den Ausstieg der Swisscom im Frühjahr 2002 ist Hönlinger glücklich: "Die Swisscom ist zwar der erfolgreichste Ex-Monopolist in Europa, Österreich war aber der falsche Markt für sie".

Die UTA hat ihren Mitarbeiterstand in den vergangenen beiden Jahren von zwischenzeitlich rund 900 Beschäftigten auf derzeit 613 Beschäftigte reduziert. 2003 werde diese Zahl konstant bleiben, sagte Schwertner.

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