Porträt: Einst in der "Buberlpartie", zuletzt eine Stütze für Riess-Passer

Mathias Reichhold war jahrelang der "Mann für alle Fälle" in der FPÖ. Trotzdem ist er politisch ein seltsam unbeschriebenes Blatt.

WIEN. Im Machtkampf zwischen Jörg Haider und Susanne Riess-Passer hat sich Mathias Reichhold, 45jähriger Bauer aus St. Veit/Glan, auf die Seite der Vizekanzlerin gestellt. Er wolle seine politische Karriere beenden und auf seinen Hof zurückkehren, ließ Reichhold noch vergangene Woche wissen.

Doch da der Rücktritt vom Rücktritt zur politischen Folklore in der FPÖ gehört, werden die 2500 Henderln am Vorzeige-Bauernhof wohl weiter von Reichholds Gattin betreut werden. Das Avancement an die Parteispitze hat eine gewisse Logik. Als einer der wenigen Minister hat Reichhold das parteiinterne Chaos der letzten Tage unbeschadet überstanden. Und im Gegensatz zum erst vor wenigen Tagen präsentierten Spitzenkandidaten Herbert Haupt wird ihm auch zugetraut, eine passable Figur im Wahlkampf abzugeben. Immerhin ist es ihm auch als Verkehrsminister bereits gelungen, in der Öffentlichkeit ein halbwegs gutes Image aufzubauen.

Mathias Reichhold gehört schon seit Jahren zum engeren Führungskreis in der FPÖ. Von Jörg Haider als aufstrebender Funktionär der Landjugend entdeckt, wechselte er Mitte der 80er Jahre zur FPÖ und wurde Mitglied der "Buberl-Partie", jener Gruppe junger Männer, die - Haider treu ergeben - gleichzeitig nach der Macht strebten und die Politik als große Hetz betrachteten.

Wenig am Hut hat Reichhold dagegen mit der ideologischen Basis der FPÖ, den rechten Burschenschaftern. Überhaupt blieb Reichhold in seiner Karriere seltsam ideologiefrei. Gesellschaftspolitische Visionen, ja selbst politische Ideen zu Sachthemen sind in den Archiven nur in spärlicher Form gespeichert. Lediglich zur Aussage von Volksanwalt Ewald Stadler über die "angebliche Befreiung" Österreichs durch die Alliierten meldete er sich zur Wort. Man solle doch "nicht ständig in der Vergangenheit stochern", sagte Reichhold. Aber das war bereits in der heißen Phase des Machtkampfes in der FPÖ, als Reichhold den Schwenk von Haider zu Vizekanzlerin Riess-Passer vollzogen hatte.

Zerwürfnisse mit Haider

In den Jahren davor war Reichhold stets Haiders Mann für besondere Fälle gewesen. Als "politisches Jojo" bekleidete er eine Reihe von Posten, blieb aber nirgends lange: zweiter FP-Generalsekretär unter Heide Schmidt, Kärntner Landesrat, Mandatar im Nationalrat und im Europäischen Parlament, schließlich Landeshauptmannstellvertreter in Kärnten.

Im März 2001 zog er sich überraschend aus der Politik zurück. Aus persönlichen Gründen, wie er damals meinte. Von Insidern werden allerdings andere Hintergründe kolportiert. Reichhold soll nach Zerwürfnissen mit Haiders neuer Nummer zwei in Kärnten, Finanzlandesrat Karl Pfeifenberger, den Sessel geräumt haben.

Die Differenzen mit Haider blieben bestehen. Im Herbst 2001 hätte Reichhold schon fast Monika Forstinger im Infrastrukturministerium beerbt - der Deal platzte aber, weil er aus Haiders Umfeld vorzeitig hinausposaunt wurde. Riess-Passer, die Reichhold unbedingt als "ihren" Mann in die Regierung bringen wollte, gab Forstinger daraufhin noch drei Monate Gnadenfrist.

Als er im Februar 2002 doch ins Verkehrsressort kam, präsentierte sich Reichhold rasch als hemdsärmeliger Macher. Nach den verunglückten Auftritten Forstingers wehte plötzlich ein frischer Wind im Ministerium. Journalisten wurden bei Interviews nicht mehr mit einem inhaltsleeren Wortschwall zugeschüttet, sondern erhielten ehrliche Antworten - auch wenn diese lange Zeit darin gipfelten, daß er sich erst in die Materie einarbeiten müsse.

Sachpolitisch brachten die acht Monate Ministerschaft nicht allzu viel ein. Am spektakulärsten war noch der Kauf der Postbus AG durch die ÖBB, die einen "25jährigen Diskussionsprozeß" beendete. Nicht umsetzen konnte Reichhold die geplante völlige Neustrukturierung der Bahn.

Und praktisch gescheitert ist er beim zentralen Thema der Verkehrspolitik: der Transitfrage. Obwohl Bundeskanzler Wolfgang Schüssel beim EU-Gipfel in Laeken eine Verlängerung des Ökopunktesystems ausgehandelt hatte, war es Reichhold nicht gelungen, diese bei den anderen Verkehrsministern durchzusetzen.


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