Zukunftsbranche Immobilien-Bewertung

Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung wird in den kommenden Jahren sprunghaft steigen.

WIEN. Für Immobilien-Sachverständige sind harte Zeiten angebrochen. Bei Gefälligkeitsgutachten, die früher einmal leicht zu haben gewesen sein sollen, klagen nun die Banken die Gutachter, wenn ein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist. Wenn also beispielsweise ein Kreditnehmer nicht mehr zahlen kann, die Immobilie aber einen deutlich niedrigeren Verkehrswert aufweist, als im Gutachten festgehalten, klagt die Bank beim Gutachter den Differenzbetrag ein. "Ich kenne einige derartige Fälle", sagt der Sachverständige Josef Seiser. "Und dabei geht es nicht um geringfügige Abweichungen, sondern das Gutachten weist oft das dreifache des echten Verkehrswertes aus."

Großer Aufholbedarf

Generell sieht Seiser, der mit den Immobilienexperten Margret Funk, Michael Reinberg und Thomas Malloth eine Gutachter-Gemeinschaft gebildet hat, einen erheblichen Aufholbedarf für die Branche. Zwar gebe es eine große Zahl an gerichtlich beeideten Sachverständigen, doch nur ein geringer Teil von ihnen sei in der Lage, Immobilienbewertung nach modernen und international üblichen Methoden durchzuführen.

Nachfrage ja, Angebot nein.

So würden dynamische Bewertungsverfahren  -  also solche, die die Ertragsmöglichkeiten und Erwartungen einer Liegenschaft in die Berechnung mit einbeziehen, kaum angewandt. Gerade diese Verfahren würden aber immer wichtiger und am Markt stärker nachgefragt. Das liegt auch an der Veränderung der Buchhaltungsstandards. Der immer wichtiger werdende Standard IAS verlangt, daß nicht der Buchwert der Immobilien in der Bilanz aufscheint, sondern der tatsächliche Marktwert. Auch der Trend zu Immobilienfonds -  in Deutschland sind sie ein Renner, in Österreich wird seit Jahren an einem Fondsgesetz gebastelt  -  erhöht die Nachfrage nach entsprechenden Bewertungen. Bei den Immobilienfonds berechnet sich der Wert der Anteile nach dem Verkehrswert der im Fonds enthaltenen Immobilien  - und der wird eben von Sachverständigen festgesetzt.

Schwere Versäumnisse

Den Grund für den Mangel an qualifizierten Fachleuten sei, daß es bei der Ausbildung schwere Versäumnisse gegeben habe, so Seiser. In der Vergangenheit habe es praktisch gar keine einschlägige Berufsausbildung gegeben. Dies habe sich nun durch Fachhochschulen und Uni-Lehrgänge zwar gebessert, auf eine Verbesserung der Situation werde man aber noch warten müssen. "Es wird fünf bis zehn Jahre dauern, bis die entsprechenden Fachleute da sind", so Seiser. Denn nach der Ausbildung bräuchten die Studien-Absolventen noch eine entsprechende Praxis, um selbständig arbeiten zu können. Vor Konkurrenz fürchtet sich die Gutachter-Gemeinschaft nicht. "Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung steigt derzeit sprunghaft an", so Thomas Malloth. Er rechnet mit einer Verdoppelung des Geschäftsvolumens innerhalb der nächsten zwei Jahre.

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