Das Hochwasser hat den alten Konflikt der Baustoffproduzenten neu angeheizt: Was ist besser? Massiv- oder Leichtbauweise?
WIEN. Wienerberger-Generaldirektor Wolfgang Reithofer erwartet sich nach dem Jahrhundert-Hochwasser "ein leichtes Plus" für den Absatz der Ziegelproduzenten. Und das nicht nur, weil zahlreiche Häuser nicht mehr zu retten sind und neu errichtet werden müssen. Reithofer rechnet vor allem mit einer Imageverbesserung für die Massivbauweise im allgemeinen und den Baustoff Ziegel im besonderen. Darauf setzt auch der Fachverband der Stein- und keramischen Industrie. Geschäftsführer Carl Hennrich läßt bereits eine Studie erarbeiten, die die Hochwasserschäden an Gebäuden dokumentieren soll. Schwerpunkt der Studie: Die Unterschiede zwischen Massiv- und Leichtbauweise sollen herausgearbeitet werden. Der Schaden bei Holzbauten liege bei 50 bis 100 Prozent, glaubt Hennrich. Massivbauten müßten dagegen nur in den seltensten Fällen abgerissen werden.
Drohender Image-Schaden
Der Fertighausverband - die Fertigteilhersteller errichten die meisten Gebäude in Leichtbauweise - setzt nun alles daran, den drohenden Imageschaden abzuwehren. Immerhin hat es die Branche in den letzten Jahren geschafft, bei Einfamilienhäusern einen Marktanteil von rund einem Drittel zu erringen. Geschäftsführer Franz Solar spricht von "unqualifizierten Äußerungen". So sei die Ansicht, vom Hochwasser überschwemmte Fertighäuser müßten abgetragen werden, absolut unzutreffend. "Wenn der Unterbau nicht unterspült wurde, kann man jedes Fertighaus sanieren", so Solar.
Leitfaden
Der Verband hat für die Hauseigentümer auch einen Leitfaden zusammengestellt, wie die Sanierung erfolgen muß. Fertighäuser in Holzverbundbauweise bestehen aus einer Holzkonstruktion, die mit Dämmaterialien gefüllt und an der Außen- und Innenseite beplankt wird. Hochwasseropfer müssen nun die Innenbeplankung öffnen und den Dämmstoff bis 30 Zentimeter über der Hochwassermarke entfernen. Auch der Estrich muß meist entfernt werden. Danach kann die Holzkonstruktion ausgetrocknet und Dämmaterial und Beplankung erneuert werden.
Solar sieht sogar einen Vorteil für die Leichtbauweise: Da die Baumasse gering sei, komme man mit einer wesentlich kürzeren Austrocknungszeit aus als bei Massivhäusern. Auch die Gefahr einer Bildung von Schimmelpilz durch Restfeuchte sei im Gegensatz zu anderen Bauwerken nicht gegeben, weil die durchfeuchteten Bauteile zur Gänze entfernt und durch trockene ersetzt werden.
"Material gibt es gratis"
Solar geht in einer "ersten groben Schätzung" von 50 bis 70 beschädigten Fertigteilhäusern aus. Wie viele Häuser insgesamt betroffen sind, ist noch offen. Allein in Oberösterreich sollten es aber etwa 1600 sein. Die Fertighaushersteller sind dabei, für die Betroffenen ein Hilfspaket zu schnüren. "Das Material für die Sanierung wird es sicher gratis geben", so Solar. Für die notwendigen Arbeitsleistungen überlege man sich noch ein Hilfspaket.