Die Altersgruppe über 55 Jahren wird bald wichtigster Nachfrager auf dem Immobilienmarkt.
WIEN. Vor einigen Jahren glaubten Bauträger, das Geschäft der Zukunft entdeckt zu haben. Zahlreiche Seniorenresidenzen entstanden, in denen eine betuchte Klientel ihren Lebensabend verbringen sollte. Das Konzept
dahinter: Den Bewohnern steht in einem Quasi-Hotelbetrieb zur Verfügung. Medizinische Betreuung und Pflege gibt es gegen Aufpreis. Gedacht ist das Konzept für ein zahlungskräftiges Publikum. Ein Appartement kostet rund
2200 Euro (30.000 Schilling) im Monat - und das noch ohne Pflege. Das Konzept hat sich als verfehlt erwiesen, viele Seniorenresidenzen leiden unter mangelhafter Auslastung. Schon allein der Preis hat viele abgeschreckt.
Aber auch billigere Senioren-Angebote haben sich als nicht sonderlich zugkräftig erwiesen. So plante der Wiener Bauträger Kallco eine Wohnhausanlage, in der sich neben normalen auch Seniorenwohnungen befinden - für die übrigens kein höherer Preis verlangt wird. Als weiteres Lockangebot für ältere Menschen gibt es eine Rotkreuz-Station im Haus, die Betreuungs- und Pflegedienste anbietet.
Verwertungsprobleme
Ähnlich das Angebot der Buwog, die sich in einer Wohnhausanlage die Mitbenutzung von Einrichtungen eines nahegelegenen Pflegeheimes gesichert hat. Beide Projekte haben "nicht unerhebliche Verwertungsschwierigkeiten",
so der Wohnbauforscher Wolfgang Amann, Leiter der Forschungsgesellschaft für Bauen und Wohnen (FGW). Das Kallco-Projekt sei zwar voll, aber nicht mit Senioren. Und bei der Buwog laufe die Vermietung im Vergleich zu
normalen Projekten schlecht. Für Amann läßt diese Entwicklung eine Schlußfolgerung zu: Mit Pflegeangeboten kann man junge Senioren nicht gewinnen. Sie seien nicht interessiert daran, in Bauten mit lauter alten Menschen zu ziehen. Und sie
würden davor zurückschrecken, für die Zeit der Pflegebedürftigkeit vorzusorgen. Dabei gewinnt die Gruppe älterer Menschen auch am Immobilienmarkt zunehmend an Bedeutung.
55- bis 65jährigen: Marktanteil von zehn Prozent
Die 55- bis 65jährigen, die Wohnraum für den "dritten Lebensabschnitt" besorgen, erreichen jetzt schon einen Marktanteil von zehn Prozent. Allein durch die demographische Entwicklung, also durch die Zunahme der älteren Bevölkerung, wird sich dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. "Die Bauträger werden sich auf diese Zielgruppe vorbereiten müssen", sagt Amann. Da sich Pflegeangebote als der falsche Weg erwiesen hätten, müsse man andere Schwerpunkte finden.
Jugendträume erfüllen
Beispielsweise könne man die Reiselust der älteren Generation nutzen: Kombi-Angebote mit Time sharing-Anbieter könnten vorsehen, daß man zusätzlich zur Wohnung das Recht bekommt, ein Monat im Jahr Ferienwohnungen zu benutzen. Oder: Man könne den Menschen helfen, ihre Jugendträume nachträglich zu realisieren. Etwa, indem man die Möglichkeit schafft, im Keller eine Harley Davidson-Werkstatt einzurichten.