Das Denkerforum Globart philosophierte in Stift Pernegg im Waldviertel über Unterschiede und Konflikte der Generationen - der Dialog entlarvte die Realität.
Eines haben hochkarätige Diskussionsrunden alle gemein: Es gibt zu wenig Zeit zum Diskutieren. Bis sich Wissenschaftler auf eine gemeinsame Sprache geeinigt haben und im besten Falle sogar auf eine gemeinsame Zielrichtung, ist die Uhr auch schon wieder abgelaufen. Lösungen? Vorschläge? Die Praxis? Wozu, wenn doch die Theorie so bequem in Sicherheit wiegt.
Zu beobachten war dieses Phänomen auch bei einem Symposium im Kloster Pernegg im Waldviertel, wo die 5. Academy des Denkerforums "Globart" stattfand. In gelungener kontemplativer Atmosphäre wurde disziplinüberschreitend die Generationen-Problematik seziert.
Der Volkswirtschafter Stefan Schleicher erklärte die derzeitige Pensionsvorsorge für bankrott, der Theologe und Philosoph Michael Schnarrer konstatierte wahrheitsgetreu, daß das Wort Demut in der Fun-Gesellschaft nicht gern gehört werde. Manfred Wagner, Kulturwissenschaftler, sprach über Zeit und erklärte - man könnte dies auf die Generationen umlegen -, daß alte Kunstformen (etwa Malerei) nicht durch neue (wie Video) verdrängt werden - "Das temporäre Verschwinden heißt noch nicht, daß sie tot sind".
Ein ähnliches Gefühl hatte Autorin Christiane Thurn-Valsassina, als sie ihr Generationen-Verständnis beschrieb: "Jeder hat so etwas wie einen rauschenden Wald hinter sich - eine Kette von Liebenden."
Auf den spröden Boden des rational Analytischen brachte das Publikum wieder Soziologe Leopold Rosenmayr. Er erforscht soziale Veränderungen in Stammeskulturen. Eines der Ergebnisse: "Schweigen spielt beim engen Zusammenleben wie in der Großstadt eine große Rolle" und "Der Generationenmix muß gefördert werden."
Diese Sätze ermutigten zu eigenen Beobachtungen: Denn von einem ausgewogenen Generationenmix konnte bei der heurigen "Globart Academy" nicht gesprochen werden. Zwar ist das Fehlen der Jugend bei Symposien keine Überraschung, doch das Motto - "Generationen im Gespräch" - machte die Lücken augenfällig.
Es konnte mit der eloquenten Studentin Pippa Breuss (23) zwar eine sicher würdige Jugend-Vertreterin gewonnen werden, doch stand sie auf einsamem Posten. Deutlich wurden Verständnisschwierigkeiten bei der Schlußdiskussion: Die Beiträge und Fragen von Breuss wurden von Moderator Peter Huemer offensichtlich nicht ernst genommen. Wacker stand ihr Kinderpsychiater Max H. Friedrich bei, der durch seine Erfahrung von den Teilnehmern (etwa Journalist Georg Markus), wohl den natürlichsten Umgang mit Jugendlichen pflegt.
Nur, warum so wenig Jugend? Ein Teilnehmer beantwortete die Frage damit, daß die Jugend von 16 bis 20 Jahren auf dem hier gepflegten wissenschaftlichen Niveau nicht mithalten könnte. Kleine Pikanterie am Rande: Ein selbstbewußter junger Mann hatte Bedenken, sein frisches Alter zu verraten - er könnte doch hier nicht für voll genommen werden. Generationen im Gespräch - die Praxis.