"Assocreation" sind junge Architekten und Künstler, die den Boden als ihre Nische gefunden haben und besetzt halten. Erfolgreich.
This is not real: Ein Holzsteg, der Linz mit Budapest verbindet, ein Boden aus tonnenschweren Betonplatten, der beim Betreten sanft schwingt, junge Diplomingenieure, die virtuelle Kunst sinnlich machen. Real? "Assocreation" nennen sich die fünf Männer, alle etwa Ende zwanzig - zwei frischgebackene Architekten, zwei angehende und ein Absolvent der Wiener Angewandten.
Kennengelernt haben sie sich beim Ministrieren in der Pfarre Dornbach. Heute machen sie Kunst, "an der Schnittstelle zwischen real und virtuell", formulieren sie es geschmeidig. Ebenso elegant gebaut ist ihr Name, ein Kunstwort, zusammengesetzt aus Association und Creation.
Ihr Arbeitsmaterial ist der Boden, der Untergrund, auf dem wir stehen. Sie manipulieren ihn, vernetzen ihn, machen ihn fühlbar. Gelungen ist dies bei "Bump": Zwei Holzstege, einer in Linz, der andere in Budapest, wurden mit einer Datenleitung rund um die Uhr miteinander verbunden. Wer in Linz über die Planken ging, fühlte sich wie auf einer Tastatur - die Bretter gaben nach. Stieß man auf Widerstand, setzte jemand zur gleichen Zeit in Budapest den selben Schritt - eine anonyme Berührung.
"Meist funktioniert in der Kunst das Interaktive ja nicht, der Benutzer ist enttäuscht. Bei ,Bump` haben wir die interaktive Kunst auf den Punkt gebracht: Man hat den anderen unmittelbar gespürt", sind Assocreation überzeugt. Die Ars Electronica gab ihnen im letzten Jahr Recht und zeichnete die Arbeit mit einem Prix aus.
Ein gemeinsames Erleben an einer Schnittstelle will die Gruppe erreichen - nicht für die Einzelperson, sondern für die Masse. Ähnlich funktioniert das bei "Common Ground", dessen Prototyp heuer bei der Architekturausstellung "Mega" im Wiener Künstlerhaus aufgebaut wurde. Betonplatten schwebten auf Stahlfedern, wer sie betrat, erzeugte Schwingungen. "So berührt man die anderen Leute auf der Fläche - Kommunikation wird möglich."
Für die diesjährige Ars Electronica planten Assocreation, einen ganzen verdunkelten Raum mit diesem Boden auszulegen. In letzter Sekunde sprang ein Sponsor ab. Doch am liebsten würden Assocreation ganze Plätze - etwa im Museumsquartier - so pflastern.
"Viele schwimmen mit dem Hype der interaktiven Kunst mit - wir wollten ein nicht-elektronisches Kunstwerk machen." Hier ist es gut gelungen: die Elektronik bzw. die Technik ist überlagert durch das sinnliche, unmittelbare Erleben. Ist das Kunst oder Architektur? "Wir machen Architektur im Sinn von sozialen Netzwerken", meint die Gruppe, gibt aber zu: "Im Kunstbereich werden wir schon oft schräg angeschaut - eben als Techniker."
Auf der Technischen Universität, sozusagen der Brutstätte von Assocreation, müssen die Freiräume nur ergriffen werden, glauben die Architekten. Als Diplomarbeit haben sie einfach den Boden in ein Buch gepackt: Hunderte magentafarbene Schuhabdrücke, wahllos auf Dutzenden Papierbögen verteilt.
Entstanden ist diese Arbeit im Frühjahr vor dem Künstlerhaus. Gröbere Schwierigkeiten beim Abschluß an der TU gab es dann keine, Verwunderung schon. Vor allem positive: Der Prüfer, der Brite William Alsop, lud Assocreation ein, mit ihm kommendes Jahr bei der Biennale di Valencia auszustellen.
Angst vor Institutionalisierung? "Wir wollen nicht ins Museum und wir wollen nicht als Kunst-im-öffentlichen-Raum-Künstler abgestempelt werden. Das Museum ist doch in erster Linie eine Pensionsvorsorge. Aber man kann leichter arbeiten. Weil in Wien ist es sowieso immer schwer."
www.assocreation.com