Das Kulturhaus Nexus gibt dem salzburgischen Saalfelden mitten zwischen Fastfood und Einkaufszentrum einen Touch von Weltstadt.
Gemächlich rattert man mit der Bahn von Skiort zu Skiort, von Salzburg Stadt gen Süden. Eingepfercht zwischen lautstark frohlockenden Snowboardern und deren sperrigen Gerätschaften. Ein Fremdkörper auf der Suche nach Kultur im leistungsschwangeren Pistenrausch. Endstation Saalfelden. Der Zug ist verwaist.
Doch die Hoffnung bleibt und wird hier nicht enttäuscht. Da steht es, am Rande des Stadtkerns. Zwischen Fast-Food-Kette, Busbahnhof und Einkaufszentrum eingekesselt, sanft umrundet von der Bundesstraße. Seit Oktober dieses Jahres glimmt hier im hochkulturellen Niemandsland ein Fünkchen Glamour auf - das Kulturhaus Nexus. 1600 Quadratmeter für die hehre Kunst, das größte autonome Kulturzentrum in Salzburg. Ein vorbildlicher, inspirierter Neubau für Musik, Theater, Ausstellungen und Kino, betrieben vom Zentrum zeitgenössischer Musik, auch Veranstalter des Jazzfestivals Saalfelden.
Der lateinische Name ist Programm: Verbindung, Verknüpfung. Zwei Kuben, einen weißen und einen dominanten schwarzen, haben die ortsansässigen Architekten Hartl und Heugenhauser (Atelier 3) zu diesem Zwecke miteinander verschränkt. Klassisch reduzierte Formen der jüngeren Kulturgeschichte: White Cube, Black Box. Dazu ein spielerisch leichtes Vordach, das auf fragilen Stützen schwebt, hoch oben. Und erst drinnen: Es herrscht schlichte Eleganz. Etwa 2,9 Millionen Euro wurden hier von Gemeinde, Land und Bund investiert.
Der Stolz ist unüberhörbar: "Wir wollten nicht dieses gepflegte kulturelle Image, sondern ein urbanes Zentrum in provinziellem Umfeld", erklärt Gerhard Eder, Verantwortlicher für das Programm im Kulturhaus und Intendant des Jazzfestivals. Aus der Geschichte des österreichweit wohl bedeutendsten Jazz-Ereignisses ist auch der Neubau zu erklären. Drei Jahre lang zerbrach man sich den Kopf, "welche Hülle wir, als alternative Kulturdenkende, bauen können" (Eder). Na ja, ziemlich schick ist es in jedem Fall geworden. Die wirklich edle Café-Bar, der Glasboden im Foyer, die Dachterrasse mit luftiger Alpensicht, die fein designten Sanitäranlagen.
Das klare architektonische Programm überzeugt: Ein Geschoß über der Erde, zwei darunter. Die von außen schwarze Halle ist auch im Inneren als solche erkennbar. 440 Personen faßt dieser elf Meter hohe Raum für Musik, Theater und Performance. Ab dem nächsten Jahr soll hier einmal wöchentlich Programmkino laufen.
In neun Meter Tiefe dann der Ausstellungsbereich. Ein White Cube mit sanftem Kunstlicht und Galerie. Schwerpunkt: Malerei. Mit niemand Geringerem als Jürgen Messensee hat man hier im Oktober eröffnet. Unbekannteres Terrain findet sich jetzt an der Wand - beziehungsweise einige Zentimeter davor schwebend: gewundene Wurstblätter, Frankfurter-Bündel, Blumen, ein Pferd, eine Sardine, in ihrer Glätte hohl wirkende Fruchtkörper. Und inmitten all dieser Belanglosigkeit: ein Hitlerbild. Prompt sucht man rundherum Ernsthaftigkeit und Bedeutung. Der Horror des Alltäglichen, die gähnenden Öffnungen in den Birnen und Pfirsichen drohen stumpf.
Plakativ ist sie, die Malerei von Thomas Jocher (Jahrgang 1961), und sie verfehlt in dieser historischen, wandfüllenden Präsentation - einer sogenannten St. Petersburger Hängung - auch nicht ihre Wirkung. Einzeln betrachtet sind die Arbeiten eher banal. Im April 2003 wird es wohl erregender: Saalfelden wagt sich an Elke Krystufek.