Der ORF muß sparen. Schon gibt es Stimmen, die das Radiosymphonieorchester in Frage stellen. Ein kurzer kommentierender Versuch über die Ahnungslosigkeit.
Es wird zum Politikum stilisiert. Die "konservativen" Kräfte im Lande, so heißt es, betrachten die Erhaltung eines Radiosymphonieorchesters (RSO) durch den ORF als wertvolles Kulturgut. Weiter links, vor allem im Grünbereich, ortet man angeblich ein Sparvolumen von zehn Millionen Euro pro Jahr und bezeichnet den Orchesterbetrieb nicht als "Kerngeschäft".
So lancieren das zumindest gewisse ORF-Kreise in diversen Medien. Wie allerdings jemand auf den Gedanken kommen kann, das Produzieren anspruchsvoller musikalischer Programme, die nur mit einem eigenen Orchester möglich sind, könne nicht zum "Kernbereich" einer Rundfunkanstalt gehören, steht nirgendwo zu lesen.
Wie abgehoben hier argumentiert wird, erhellt die Tatsache, daß es nur in Portugal eine öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt gibt, die kein eigenes Orchester erhält. Die BBC wiederum leistet sich fünf solche Klangkörper, die ARD elf und das sind mit zum Teil 140 Planposten wesentlich größere Orchester als das RSO Wien.
Im übrigen hat das ehemalige ORF-Symphonieorchester seit seiner Ausgliederung einen extremen Sparkurs gefahren und war damit erfolgreich. Die Kosten konnten um fast 20 Prozent reduziert werden. Weitere Streichungen würden freilich die Existenz des Orchesters gefährden.
Solcher Vergleiche und Rechnungen sollte es freilich ebensowenig bedürfen wie des Verweises auf die Vorreiterschaft des Ensembles in Sachen Neuer Musik, die der ORF durch seinen Kulturauftrag zu fördern hat.
Daß eine Rundfunkanstalt im sogenannten "Musikland" die Möglichkeit haben muß, Spezialprojekte zum Eigenbedarf und für die Sendung in ganz Europa zu produzieren, sollte auch ohne besondere Begründung jedem Beobachter der Szene einleuchten.
Völliger Kollaps ohne RSO
Die Ausrede, man könne mit angemieteten Ensembles ebensogut und billiger produzieren geht ins Leere. Wer mit Philharmonikern oder Symphonikern anspruchsvolle Projekte realisieren möchte, die wesentlich höhere Probenzahlen erfordern als die gewohnten Abonnementkonzerte, der würde bereits im Anflug auf das angestrebte Ziel scheitern.
Überdies wäre das Wiener Konzertleben, das wesentliche Aufgaben wie die populäre Darstellung der Wiener Klassik für Einheimische und Touristen längst Kommerzensembles ohne jeden künstlerischen Anspruch überläßt, ohne RSO dem völligen Kollaps preisgegeben.
Schon aus dieser Perspektive darf man die Auflösung eines der Wiener Orchester (wozu auch das NÖ Tonkünstlerorchester zu zählen ist) nicht auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen. Wer es tut, gefährdet fahrlässig die Grundfesten des Wiener Musiklebens. Ganz abgesehen, daß er den ORF jener Stellung beraubte, die dieser im internationalen Musikgeschäft als Aushängeschild des Musiklandes Österreich spielen muß. Es sei denn, wir wollen jeden Kredit in Sachen Kultur-Image verspielen. Dann würde die Sparwut zur puren Verschwendung unseres kulturellen Potentials.