Mies van der Rohe kommt in Wien derzeit in zwei Ausstellungen zu Ehren: Die Möbel im Hofmobiliendepot, ein anderer Blick auf seine Architektur von Thomas Ruff in der Akademie der bildenden Künste.
Zwischen den marmornen Säulen blitzt es auf: Der Rasen erbsengrün, der Himmel zart lila, die Baumkronen in tiefem smaragdgrün - darin eingebettet Architektur, menschenleer.
Thomas Ruff hat zwischen 1999 und 2001 Mies-van-der-Rohe-Bauten photographiert und am Computer subtil manipuliert, zu monumentalen Architektur-Illusionen, nicht von dieser Welt: Er verändert die Farben, legt comicartige Raster darüber, verschleiert und verzerrt sie.
In der Aula der Wiener Akademie der bildenden Künste gehen die großformatigen Photographien mit dem von Säulen gesäumten Raum eine ästhetisch nahezu bestechende Symbiose ein. Fast zu glatt, aber erhebend stilvoll und klassisch wurde die Ausstellung gehängt. Erstmals ist dieser Zyklus des 1958 geborenen, am Kunstmarkt hoch gehandelten deutschen Photokünstlers in diesem Umfang in Wien zu sehen - zusammengeliehen aus internationalen Galerien und Museen.
Ruff hatte legendäre Lehrer: Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie. Genau diesen Vergleich wollte man an der Wiener Akademie meiden: Denn in zwei Nebenräumen haben sich Architektur-Studenten der Akademie an der Photographie erprobt, auf der Spur von Mies van der Rohe in Chicago, New York.
Interessant der frappant unterschiedliche Blickwinkel: Während Ruff auf die Wirkung der abgeschlossenen Komposition vertraut, bleiben die Studenten ihrem Metier treu und würdigen Details, die Nutzung der Architektur.
Unverrückbar eingeplant
Gestreng dem Original folgt das Hofmobiliendepot: Mies van der Rohe war ein Perfektionist, der seine eigens entworfenen Möbel sogar in den Grundriß der Häuser einzeichnete - unverrückbar, ungenießbar? Immerhin konnte eine Familie mit drei Kindern bequem darin leben: in der Villa Tugendhat in Brünn. Das dokumentiert die Ausstellung ausführlich mit Photographien aus Familienbesitz, in denen man auch manch heute ausgestelltes Einrichtungsstück wiederfindet.
Ein Höhepunkt der Schau ist der erste Freischwinger-Sessel, den Mies van der Rohe 1927 für die Weißenhof-Siedlung in Stuttgart entwarf und so dem Stahlrohrmöbel zum Durchbruch verhalf. Angenehm ist die Präsentation und Auswahl der Objekte im lichten Hofmobiliendepot: Nicht der perfekte Erhaltungszustand zählt, sondern allein die Originalität.
Miniatur-Architektur?
So reihen sich die - teilweise arg mitgenommenen - Schwinger, Sofas, Liegen aus Brünn, Stuttgart und Barcelona (aus dem Deutschen Pavillon für die Weltausstellung) elegant aneinander. Sind es Miniatur-Architekturen? Fragen werden hier nicht geklärt, aber aufgezeigt - immerhin.
Ein intimer Abschluß und Ergänzung für beide Ausstellungen, die sich um den großen Architekten in Wien drehen, ist der hervorragende Dokumentar-Film, der im Hofmobiliendepot gezeigt wird: Georgia van der Rohe bietet nicht nur ein einfühlsames Porträt ihres Vaters, sondern fing auch Bilder seiner Bauten ein. Sie erinnern an Thomas Ruffs unwirkliche Photos - ohne Verfremdung.
Akademie der bildenden Künste: Bis 19. Jänner, Di. - So. 11-18 Uhr.
Hofmobiliendepot: Bis 15. Dezember, Di. - So. 10 bis 18 Uhr.