Ein Haus für Mozart?

Seit Jahr und Tag wird geklagt, Salzburg besitze kein geeignetes Mozart-Haus. Nicht zuletzt deshalb soll das Kleine Festspielhaus erneut umgebaut werden. Während das Festspielkuratorium über Wettbewerbs-Ergebnissen rätselt, präsentiert der Salzburger Gerhard Garstenauer einen neuen, erstaunlichen Vorschlag.

Das Kleine Salzburger Festspielhaus gilt seit Jahr und Tag als Problemfall. Die akustisch wie atmosphärisch problematische Schachtelform, in die das Theater gezwängt ist, hat schon Generationen von Archtitekten beschäftigt. Es war der Festspiel-Planer Clemens Holzmeister selbst, der vor seinem Tod noch umfangreiche Pläne für eine Neugestaltung des Hauses vorgestellt hat. Seit damals wird nahezu unausgesetzt über einen möglichen Umbau diskutiert. Bisher ohne Erfolg.

Zuletzt haben die Festspiele einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, aus dem das Team Hermann/Valentini/ Wimer/Zaic als Sieger hervorging. Der von manchen Salzburger Stellen favorisierte Wilhelm Holzbauer landete auf Platz zwei. Danach gab es Querelen, Klagen ohne Ende – und die Causa droht erneut im Nichts zu versanden.

Nun lanciert der Salzburger Architekt Gerhard Garstenauer unabhängig von allen Wettbewerbsbedingungen und sonstigen Vorgaben ein Projekt, das für Verblüffung sorgen wird, löst es doch das essentielle Problem der Form: Garstenauer ist es gelungen, aus der scheinbar unvermeidlichen „Schuhschachtel“ auszubrechen und eine an der uralten, aus der Antike überkommenen Theater-Anlage orientierte Lösung zu finden.

Quadratur des Kreises

Garstenauer ist im Salzburgischen und darüber hinaus nicht zuletzt durch seine vieldiskutierten „Kristalle“ – etwa im Gasteinerland – berühmt geworden. Eine Kristallstruktur sieht er auch für das neue Kleine Festspielhaus vor, in die er aufs natürlichste das altvertraute Theater-Rund einschreibt. Dieses vermittelt die Intimität, aber auch die akustischen Verhältnisse, wie sie ein Mozarthaus braucht, bietet aber dennoch bis zu 1700 Zuschauern Platz. Bisher haben die Architekten in der Regel versucht, nach oben oder unten – durch eine Tieferlegung – auszuweichen, um die von der Festspielführung gewünschte Vermehrung des Sitzplatzangebots sicherzustellen.

Als Praktiker hat Garstenauer vorgesehen, diesen Festspielhaus-Kristall so vorzufertigen, daß er mühelos in die bestehenden Grundfesten „eingepaßt“ werden kann. Auch für Einwände der Denkmalschützer ist Vorsorge getroffen: Will man die alte Außenfassade nicht antasten, dann kann der Zuschauerraum gegenüber dem vorliegenden Entwurf ein klein wenig gedreht werden – und paßt sich ins vorgegebene Umfeld perfekt ein. Wobei Bühnenachse und Raumachse dann nicht mehr identisch wären. Will man das umgehen, müßte die Holzmeister-Fassade ein wenig aufgebrochen werden, was freilich zur Präsentation des neuen Mozart-Hauses städtebaulich genutzt werden könnte.

Den gigantischen Bühnenturm der alten Holzmeister-Festspielstätte tastet Garstenauers Projekt jedenfalls nicht an, präsentiert sich also als eine Art Quadratur des Kreises: von außen vielleicht gänzlich unsichtbar, innen rundum erneuert und dem klassischen Theaterstil angepaßt, der den Zuschauern auf allen Sitzen Nähe zum Geschehen suggeriert.
Ein Anreiz für die neue Festspielführung jedenfalls, die Zukunft des Kleinen Hauses noch einmal genau zu überdenken.

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