Verdis letzter Ritter übt sich in Bescheidenheit

Bernd Weikl sang seinen ersten Wiener Falstaff - in der Volksoper.

Selbstverständlich bleibt es ein Unding, "Falstaff" in der Volksoper auf italienisch zu spielen. Selbstverständlich bleibt die Inszenierung Staffan Holms in Details witzig, insgesamt aber verfehlt, im modernen Umfeld, in dem die Geschichte beinahe jede Glaubwürdigkeit verliert.

Selbstverständlich pilgerten Wiens Opernfreunde dennoch ins Haus am Gürtel, als Bernd Weikl in der Titelrolle debütierte. Sein Falstaff ist ein kräftiger, keineswegs von Altersweisheit oder -milde angekränkelter Geselle, der den umgebenden Personen eins voraus hat: Witz. Mit dem rettet er sich durch alle Nöte der Handlung und auch jene der komplizierten Partitur.

Am Pult ein neuer Mann, Tetsuro Ban, der tut, was derzeit in der Volksoper offenbar unumgänglich ist, er dirigiert mit Verve über alle Details drüber, um immerhin das große Ganze schemenhaft erahnen zu lassen. Da kaschieren dann Schwung und Tempo die Tatsache, daß das Sängerpersonal in den Ensembles mehr annähernd als präzis die vorgegebenen Rhythmen realisiert. Den allzeit sympathischen Weikl umgibt ein inkonsistentes Ensemble, aus dem Althea-Maria Papoulias als Alice und Vladimir Stoyanov als Ford herausstechen. Der Rest zwingt den Hörer zur Bescheidenheit, treibt ihn jedoch nicht, wie zuletzt am Ort zuweilen, in die Verzweiflung. Wofür das ein Symptom ist, muß sich jeder Beobachter selbst beantworten.

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