In der Volksopern-Kantine brodeln viele Gerüchte

Direktor gesucht, heißt es in der Wiener Volksoper. Die Gerüchteküche brodelt, bringt aber bisher kaum brauchbare Namen hervor. Analytische Betrachtungen.

Seit bekannt geworden ist, daß der Vertrag von Volksoperndirektors Dominique Mentha nicht verlängert wird, diskutiert man nicht nur im Haus am Gürtel heftig und ein wenig besorgt die Frage, welcher Weg die Volksoper aus der Krise führen könnte. Daß die vorgesehene Ausschreibung ein vernünftiges Ergebnis zeitigen wird, glaubt niemand. Ernsthafte Kandidaten bewerben sich gewiß nicht ohne sichere Erfolgschancen.

Es wird zuletzt auf eine einsame Entscheidung des Kultur-Staatssekretärs Franz Morak hinauslaufen müssen; was im Prinzip auch zu begrüßen ist. Politiker sind dazu gewählt, Entscheidungen zu treffen.

Wobei die Volksoper nach zwei Jahren unter Mentha tatsächlich zum Problemfall geworden ist. Vorbei die Zeiten, in denen das Ensemble daran glauben mochte, eine "Hauslösung", also etwa die Bestellung des langjährigen Chefdramaturgen Robert Herzl oder des allseits beliebten und erfahrenen Kammersängers Heinz Zednik würde Kontinuität garantieren.

Seit dem Wechsel von Klaus Bachler ins Burgtheater scheint diese Kontinuität nämlich unterbrochen, ja untergraben. Es gilt, eine Führungspersönlichkeit zu finden, der zuzutrauen ist, daß sie jenen internationalen Rang, den die Volksoper in der Ära Bachler (bis hin zu einer mehr als respektablen "Meistersinger"-Produktion) erreicht hat, wieder herzustellen. Nach allem, was zuletzt passiert ist, heißt das nicht Fortführung, sondern neuerlicher Aufbau.

Da greifen dann die in jüngster Zeit oft und gern genannten Namen von Dirigenten wie Gustav Kuhn oder - im Hinblick auf seine Operettenerfolge in Mörbisch - jener des Charmeurs Harald Serafin wohl deutlich zu kurz. Aber auch die jüngst als Gerücht aufgetauchte Spekulation, man könnte einen in Deutschland als Regisseur nicht einmal mehr berüchtigten Intendanten wie John Dew nach Wien holen, scheint absurd.

Was nicht heißt, daß die Volksoper keinen Künstler als Direktor vertrüge. Allein, dieser müßte als erfolgreicher Theatermanager ausgewiesen sein und jene Situation wieder herstellen, die vor drei Jahren noch für Erstaunen gesorgt hat: Die Volksoper kann eine international konkurrenzfähige Bühne sein. Die Persönlichkeit zu finden, die das wieder zu beweisen imstande ist, ist nun das kulturpolitische Gebot.

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