Rainer Bischof hat für Marjana Lipovsek und Milan Turkovic einen Liederzyklus komponiert, der nicht nur wegen der Besetzung ein Unikum darstellt. Ein Gespräch.
,,Milan Turkovic hat mich vor Jahren gebeten, ein Stück für ihn zu schreiben", erzählt Rainer Bischof, "worauf ich ihm ein Solostück geschrieben habe, das nun sogar beim ARD-Wettbewerb zum Pflichtstück für die Fagottisten wurde." So etwas freut einen Komponisten natürlich, wie auch die Anerkennung durch weltberühmte Musiker.
Heute abend singt Marjana Lipovsek ("eine meiner liebsten Freundinnen", so Bischof) mit Turkovic erstmals eine Liederreihe Bischofs nach Gedichten aus Friedrich Hölderlins Spätphase.
"Ich hatte", sagt Bischof, "immer Angst vor Hölderlin, vor dem Geist, der Mentalität, vor der Krankheit vor allem. Bei meinen Pilgerfahrten nach Tübingen entdeckte ich im Hölderlin-Turm die Turmgedichte. Man hat sie immer als Produkte des Wahnsinns abgetan. Ich bin jedoch fasziniert von den unfaßbaren Inhalten, die der Dichter hier behandelt."
Bischof hat sie für Singstimme, Fagott, Klavier und Celesta gesetzt, eine einzigartige Kombination, die, so meint er, "ideal zur Darstellung des Wahnsinns ist, des ,gleißenden Wurms', um mit Wagner zu sprechen."
Als Generalsekretär der Wiener Symphoniker hat Bischof zuletzt mit Kent Nagano einen Verhandlungserfolg erzielt: Der vom Orchester besonders geschätzte junge Dirigent wird zwar keinen Titel, keine Chefposition in der Nachfolge Wladimir Fedosejews annehmen, ist aber doch bereit, Jahr für Jahr mehrere Konzertprogramme in Wien zu erarbeiten.