Zähneklappern im Winter

Julian Rachlin erntete Jubel für seine virtuose Darstellung von Vivaldis Jahreszeiten im Musikverein.

Er ist durchaus so ein Showmaster mit Violine. Aber er nutzt sein darstellerisches Talent für die Umsetzung höchst musikalischer Dinge. Zum Beispiel für die plastische Versinnbildlichung der poetischen Inhalte von Vivaldis berühmtestem Konzertzyklus. Ob Gewittersturm, weinselige Festesfreude oder winterliches Zähneklappern: Rachlin setzt auf die pittoresken Kräfte der Klänge, ist nicht zimperlich beim drastischen Formulieren und bietet so ein anschauliches Bild barocker Fabulierlust. Daß er außerdem große Atemzüge wie den langsamen Satz des "Winter"-Konzerts mit großer Noblesse und herrlicher Klangsinnlichkeit umzusetzen versteht, erklärt die Begeisterung des Publikums.

Die Wiener Virtuosen ließen sich von Rachlins Stürmen und Drängen durchaus mitreißen. Sie hatten zuvor eine offenbar etwas zu wenig geprobte Aufführung von Mendelssohns heiklem Oktett geliefert, problematisch schon durch die Wahl eines Kontrabasses statt des zweiten Cellos, was ein sonores Fundament bietet, aber die Beweglichkeit des Gesamtklangs sehr einschränkt. Außerdem gebrach es Konzertmeister Steude an Sicherheit und Führungsqualität. Manch heikle Passage klang da brüchiger, weniger souverän, als es einer großen Interpretation zuträglich ist. Großer Applaus dennoch, denn die Begegnung mit Mendelssohns geistsprühendem Jugendwerk besticht allemal.

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