Fabio Luisi, soeben zum Chefdirigenten der Symphoniker designiert, dirigierte sein künftiges Orchester im Wiener Musikverein in bester Harmonie.
Sie mögen einander, soviel war gleich zu spüren. Nach einer höchst effektvoll absolvierten "Symphonie fantastique" im Goldenen Saal applaudierten auch die Musiker dem Dirigenten, der sie ab 2005 als Chef führen wird. Fabio Luisi und die Wiener Symphoniker werden, so scheint es, ein harmonisches Musiziergespann abgeben.
Nun wird man mir entgegenhalten, es sei nicht schwer, mit der vielgespielten Berlioz-Tondichtung Erfolg zu haben. Doch ging es diesmal um eine wirkliche Weichenstellung. Luisi wird in den kommenden Jahren konsequent mit diesem Orchester zu arbeiten haben und demonstrierte diesmal, worauf er nachhaltigen Wert legt: auf klare strukturelle Entwicklung der Musik, aber stets auch auf ausdrucksbetontes Spiel, das sich zuweilen zu kraftvollstem dramatischem Effekt verdichtet.
Dann, man merkt es an der ungestümen Körpersprache des Dirigenten, dürfen die Musik, hie und da auch die Präzision, zugunsten der Spontaneität zurückstecken. Dem Publikum behagt das spürbar.
Kaum gemindert wird dadurch auch der enorme Eindruck, den eine rhythmisch sensible Komposition wie Benjamin Brittens Klavierkonzert hinterläßt. Immerhin läßt der Solist Markus Schirmer nicht nur die virtuosen, elastisch federnden Momente, sondern auch die zartesten Lyrismen dieses Werks zu ihrem Recht kommen. Die Symphoniker beteiligen sich da namentlich im bemerkenswert abwechslungsreichen, dennoch konsistenten Stirnsatz mit viel Poesie und differenziertem Farbenspiel.
Ein, zwei Proben mehr hätten wohl auch zu minuziöserer Differenzierung der Rhythmen - und vor allem zu einer diesbezüglichen Feinabstimmung zwischen Klavier und Orchester geführt. Daß der Abend mit Berlioz' luzider Instrumentation von Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz" begonnen wurde, war übrigens ein schönes Signal.
Vielleicht öffnet sich das Konzertrepertoire nun endlich wieder für jene nur scheinbar leichtergewichtigen Pi¨cen der frühen Romantik, die in Wahrheit ein unabdingbares Versatzstück der historischen Entwicklung sind.