Claudio Abbados Abschiedskonzert bei den Salzburger Osterfestspielen galt, nicht untypisch für diesen Dirigenten, einer Rarität: Schumanns Faust-Szenen.
Immer wieder hat sich Claudio Abbado für selten gespielte Kompositionen großer Meister eingesetzt. Seine Osterfestspielgemeinde konfrontierte er zum Abschied mit Schumanns Szenen aus Goethes Faust. Die Berliner Philharmoniker spielten besonders engagiert und klangschön.
Die Streicher zumal, denen Abbado in den oft zerklüfteten, fahrigen Passagen der Partitur besondere Expressivität abverlangte, die aber in den zarten Stimmungsbildern, in den geheimnisvoll raunenden metaphysischen Momenten schwebende Pianissimi hervorzauberten, boten den besten Untergrund für den gestaltenreichen, faszinierend differenzierenden Gesang Thomas Quasthoffs.
Dieser triumphierte als liebender, räsonierender Faust ebenso wie in den entrückten Passagen der Verklärungsszenen - ein Meister der vokalen Charakterisierungskunst. Man hatte ihn diesmal allerdings keineswegs mit adäquaten Kollegen umgeben. Aus der Solistenschar boten nur Rachel Harnisch mit hübschem Sopran und Elena Zhidkova mit dunkel-schönem Alt achtbare Leistungen.
Im übrigen waren erschreckend blasse, unebene Stimmen zu hören, die wenig dazu beitragen konnten, den oft nachlassenden Spannungsbogen dieser keineswegs in allen Teilen gelungenen Komposition künstlich aufrecht zu erhalten.
So war trotz kraftvollen Leistungen des schwedischen Rundfunkchors und der Tölzer Knaben am Ende doch manch lange Viertelstunde zu verbuchen. Wobei den Grund dafür nicht jeder bei Schumann sucht.
Ein Herr in der 21. Reihe sah es beispielsweise anders und meinte während Faustens Sterbeszene: ,,Der Text is' a Schmarrn". So kann man es offenbar auch sehen. Goethe ist im Librettoteil des Salzburger Programmhefts nicht erwähnt . . .