Jubiläumsfeiern im Zeichen freiester Musikalität

Daniel Barenboim musizierte zum 50. Jahrestag seines Wien-Debüts mit den Philharmonikern und gab einen außerordentlichen Liszt-Soloabend im Konzerthaus.

Zehn Jahre war er alt, als er im Mozartsaal das A-Dur-Konzert KV 488 spielte. Das war 1952. Nun kehrte er im Rahmen einer "Presse"-Kooperation mit dem selben Werk in den Großen Konzerthaus-Saal zurück: Daniel Barenboim hat sich vom Wunderkind nicht nur zum großen Pianisten entwickelt, sondern, was damals niemand ahnen konnte, auch zu einem der meistgefragten Dirigenten.

Also hat er diesmal die Philharmoniker selbstverständlich nicht nur vom Flügel aus zu eloquentem, klangsattem Mozart-Spiel animiert, sondern in der zweiten Konzerthälfte auch als Dirigent geführt und angefeuert; bei Musik, der er sich offenkundig seelenverwandt fühlt.

Bruckners Vierte, die "Romantische", fordert alles, was dieser Musiker auf natürliche Weise zu geben versteht: Atem, große Geste, Verständnis für architektonische Entwicklungen, die sich über weite, sehr weite Strecken zu entwickeln haben.

Die Philharmoniker spüren, daß es diesem Dirigenten nicht so sehr auf präzise Detailarbeit ankommt, daß er vor allem das große Ganze im Auge und im Herzen hat, daß er von ihnen weichen, sensibel abgemischten, auch im Fortissimo nie knalligen - fast ist man versucht, zu sagen: wienerischen - Klang fordert. Und sie folgen ihm wohl umso lieber, als er sie immer wieder ungehindert über alle Taktstriche hinweg frei und animiert aufspielen läßt. Das Aufeinanderhören steht da spürbar im Mittelpunkt.

Als Solist hat Barenboim am Freitag einen bemerkenswerten Beweis dafür geliefert, daß ihn das Dirigieren nicht an seiner künstlerischen Entfaltung als Pianist gehindert hat. Auch beim ersten und Ausschnitten aus dem zweiten Band von Franz Liszts vielschichtigem Zyklus "Ann©es de P¨lerinage" bewies er seine instinktive Hingabe an die Musik der Wagner-Zeit.

In keinem Moment artet bei ihm selbst deskriptive Naturschilderung in kitschige musikalische Postkartenromantik aus. Immer sind es ehrlich empfundene Bilder, die hier evoziert werden. Ganz natürlich entwickelte Steigerungen führen wohl zu pathetischen, emphatischen Momenten, denen es jedoch nie an innerer Größe gebricht. Nirgendwo verkümmert die Musik zu vordergründigem Virtuosengeklingel.

Atemberaubend die technische Meisterschaft des Pianisten. So großzügig er manchmal die Präzision der Wahrhaftigkeit der tönenden Erzählung opfert, so treffsicher agiert er bei den wirklich heiklen Passagen. Ein heutzutage rarer Abglanz großer romantischer Klaviertradition!

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