Ein Lob auf die Zwerge darf man singen, wenn man über den Beginn des einzigen "Ring"-Zyklus referiert, den die Staatsoper heuer bietet.
Mime erscheint im "Rheingold" nur für ein paar Minuten. Aber wenn Heinz Zednik ihn singt und spielt, dann triumphiert der schwächste aus der Reihe der Geknechteten zuweilen über die gesamte Götter- und Riesenwelt. So geschehen beim Start des einzigen Wiener "Ring des Nibelungen" dieser Spielzeit.
Zednik trickst als pointierter Gestalter sogar seinen Bruder Alberich aus, denn Oleg Bryjak ist ihm dank machtvollem Bariton und hintergründigem Spiel zwar ebenbürtig, deklamiert aber nicht ganz so prägnant.
Im übrigen herrscht, abgesehen von der charaktervollen Erda Marjana Lipovseks, gediegenes Mittelmaß, wenn James Morris und Siegfried Jerusalem andeutungsweise daran erinnern, daß sie einmal prachtvolle Gestalter von Wotan und Loge waren, und die übrige Götterwelt so schwächliche Figur macht wie die Riesen von Janusz Monarcha und Walter Fink.
Die Rheintöchter, einzeln recht sauber tönend, geben kein harmonisches Terzett ab. Die Philharmoniker spielen unter der ruhigen, souveränen Führung von Donald Runnicles mit spürbarem Engagement. Das ergibt prachtvolle Momente, aber - offenbar mangels Probenmöglichkeiten - doch etliche Aufweichungen der Wagnerschen Strukturen. Unausgesetzt hört man, wie das klingen könnte . . .