Mit Sang und Klang

Im Sommer verwandelt sich ganz Österreich in ein Festspielland: Von Mörbisch bis Bregenz, vom Neusiedler- zum Bodensee locken Veranstalter das Publikum mit besonderen Aufführungsorten, reichen Angeboten, Raritäten und/oder grossen Namen. Für jeden etwas!

Sommerzeit, Festspielzeit. Zeit des Umbruchs auch. In Bregenz ist der erfolgreiche Intendant Alfred Wopmann noch im Amt, in Salzburg hat Gerard Mortier längst das Zepter an den Komponisten Peter Ruzicka abgegeben, der mit Jürgen Flimm als Schauspielchef an der Seite das arg ins Schlingern geratene Schiff wieder auf einen künstlerisch glaubwürdigen Kurs bringen soll.

Keine leichte Aufgabe, nach einer vor allem auf billige Provokation ausgerichteten Finalsaison des Vorgängers. Nur eine Opernproduktion hat sich aus der alten Ära herübergerettet: Achim Freyers im Zirkuszelt angesiedelte „Zauberflöte“, gar nicht dem Geist des Werkes entsprechend, aber bunt und zeitgeistig in der Optik, und eben die „Zauberflöte“, ein Repertoire-Dauerbrenner, der in jeder Form die Kassen, Häuser (und Zelte) füllt. Neu ist die junge Sängerbesetzung und der Dirigent: Bertrand de Billy wird erstmals Oper in Salzburg dirigieren. Der Franzose, musikalischer Chef des Teatro Liceo in Barcelona, tritt im September auch als künstlerischer Leiter des RSO-Wien an und hat nicht zuletzt mit diesem Orchester in den vergangenen Jahren beim Wiener „Klangbogen“ bewiesen, daß er ein exzellenter Opern-Maestro, ein Animator von Rang ist.

Der „Klangbogen“ muß daher heuer auf ihn verzichten, obwohl er mit Jules Massenets „Don Quijote“ ein veritables de-Billy-Stück im Programm hat, das jedenfalls eine Rarität für Wien ist und in dieser Stadt bis dato nur als Gastspiel zu sehen war. Schatzgräberarbeit hat auch Alfred Wopmann wieder geleistet, der für das Bregenzer Festspielhaus diesmal Bohuslav Martinus „Julietta“ gefunden hat, eines jener Werke, die prädestiniert dafür scheinen, den Dornröschenschlaf der gemäßigten Moderne beenden zu helfen.

Auf der Seebühne sieht man noch einmal die erfolgreiche „La Boh¨me“-Produktion aus dem Vorjahr. Wiens Sommerfestival kontert im Theater an der Wien mit der „Boh¨me“-Vertonung Ruggero Leoncavallos. Der „Bajazzo“-Komponist hielt sich enger an die literarische Vorlage als Puccini, war aber nicht ganz so erfolgreich. Ein Irrtum der Geschichte? Die Antwort gibt der diesjährige Musiksommer.

Puccini steht hoch im Kurs

In Gars spielt man heuer unter freiem Himmel die „Tosca“, während St. Margareten auf Verdi setzt: „Otello“ steht auf dem Programm dieses extrem populären Festivals, das sich heuer zum Ziel gesetzt hat, mit der Freiluftproduktion „mehr Karten als die Salzburger Festspiele“ zu verkaufen. Mit Robert Herzl steht ein Regisseur zur Verfügung, den noch keine Bühnengröße verschreckt hat. Er kann mit jeder Dimension umgehen. Gelernt hat er das unter anderem in Mörbisch, als noch nicht Harald Serafin Intendant war. Serafin hat dem burgenländischen Operettenfestspiel zu ungeahnter Breitenwirkung verholfen und spielt heuer die „Cs¡rd¡sfürstin“ vor Rängen, die schon vor Monaten so gut wie ausverkauft waren.

Feinsinniges gibt es bei kleinen, feinen Festivals wie jenem, das in Innsbruck der sogenannten „alten Musik“ geweiht ist. Dort konfrontiert uns Ren© Jacobs heuer mit Händel-Dramen aus der Londoner Zeit des Meisters. Ein spannend differenziertes Programm erwartet auch die Besucher des Carinthischen Sommers, wo sich Stars wie Robert Holl, Oleg Maisenberg, Gidon Kremer, Rudolf Buchbinder und viele andere die Klinke in die Hand geben, um viel raffinierte Kammermusik zu machen. Wie in Lockenhaus, das auch diesmal wieder den Reigen der österreichischen Festivals im Juli eröffnet.

Bregenzer Festspiele: 17. 7.–18. 8., Info: 05574/407-6; www.bregenzerfestspiele.com
Carinthischer Sommer: 4. 7.–27. 8., Info:  04243/25 10; www.carinthischersommer.at
Gars, Opern Air: 19. 7.–17. 8., Info: 01/310 29 26
Innsbrucker Festwochen: 10.–21. 8., Info: 0512/56 15 61; www.altemusik.at
Lockenhaus, Int. Kammermusikfest: 3.–14. 7., Info: 02616/219 33; www.kammermusikfest.at
Mörbisch, Seefestspiele: 11. 7.–25. 8., Info: 02682/662 10; www.seefestspiele-moerbisch.at
Salzburger Festspiele: 27. 7.–31. 8., Info: 0662/8045-500; www.salzburgfestival.at
St. Margarethen, Opernfestspiele: 25. 7.– 24. 8.; Info: 02622/619 91; www.ofs.at
Wien, KlangBogen: 25. 7.–22. 8., Info: 01/4000-8400; www.festival-management.at

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