Botschaft der Chöre voll innerer Ruhe

In Stainz erreichte die Styriarte mit dem schon traditionellen Chorkonzert unter Nikolaus Harnoncourts Leitung auch heuer wieder einen innigen Höhepunkt.

Die sechs großen Messen aus den letzten Lebensjahren Joseph Haydns standen während der vergangenen Jahre auf dem Programm des wohl begehrtesten aller Styriarte-Konzerte. In der Pfarrkirche Stainz ereignen sich da jedesmal wieder besonders bewegende musikalische Momente, die dem Gehalt der Werke auf einzigartige Weise zu entsprechen scheinen.

Harnoncourts tiefes Verständnis der geistlichen österreichischen Vokalmusik hat immer wieder erstaunliche Einblicke in die metaphysischen Dimensionen der Klassik ermöglicht. Gerade die schonungslosen Interpretationen der großen Haydn-Messen haben gezeigt, daß hinter der so gern glatt gestrichenen Fassade dieser Musik aufrüttelnde Botschaften stecken.

Die "Harmoniemesse" bildete den Abschluß des vor fünf Jahren begonnenen Zyklus. Sie ist die erste und schlichteste der sechs für den Namenstag der Fürstin Esterh¡zy komponierten Werke - und Harnoncourt blieb seiner Linie treu, alles aus den Noten und zwischen den Notenzeilen herauszulesen, was irgend möglich ist, aber nie über Gebühr zum "Nachschöpfer" zu werden.

Das war hie und da höchst aufwühlend, diesmal aber genoß, ganz der Partitur gemäß, das illustre Festpublikum eine konzentrierte, von großer innerer Ruhe und Glaubensüberzeugung erfüllte Wiedergabe. Concentus musicus und Schönberg-Chor harmonierten wie gewohnt aufs beste. Das Solistenquartett, in diesem Werk kaum gefordert, hatte erst im zweiten Teil des Konzerts seinen großen Auftritt.

Neben den sicheren Stimmen von Elisabeth von Magnus und Anton Scharinger brillierten da Cecilia Bartoli und Herbert Lippert mit atemberaubenden Koloraturen in den ariosen Passagen von Mozarts "Lauretanischer Litanei" KV 195. Das Werk des 18jährigen Genies schenkt Sopran und Tenor opernhafte Soli, wobei der Bartoli zuletzt auch ein berührend schlichter Abgesang gegönnt war, den sie mit ihrem Samttimbre wohllautend verströmte.

Bleibt noch anzumerken, daß man gern gewußt hätte, wer die beiden hervorragenden Mitglieder des Schönberg-Chors waren, die das Soloquartett einmal zum Sextett ergänzten - und daß bei aller Rücksichtnahme auf die technischen Anforderungen, die Mozart an seine Sänger stellt, die Reihenfolge der Stücke doch die Haydnmesse arg benachteiligte. Mozarts virtuoses, doch vordergründigeres Jugendwerk drohte die Wirkung des introvertierten Reifewerks ungebührlich in den Schatten zu stellen.

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