Verführung zu faszinierenden Klangwelten

Spannende Entdeckungen beschert die Gesellschaft der Musikfreunde ihren Abonnenten in zwei Zyklen: Das Altenberg-Trio und Robert Holl präsentieren innovative musikalische Programme.

Wer da meint, man könne nicht unverkrampft den Konzertbetrieb erneuern, der wird derzeit im Musikverein eines bessern belehrt: Das Altenberg-Trio, aber auch Robert Holl präsentieren heuer ungewöhnlich programmierte Zyklen, deren erste Abende ein so neugieriges wie begeistertes Publikum fanden.

Das Trio konzertiert heuer an allen Abenden mit dem sensiblen Bariton Wolfgang Holzmair und dringt mit ihm in die kaum rezipierten Welten der Vokalkammermusik vor. So bescherte der erste Abend eine Begegnung mit Joseph Haydns zauberhaften Volksliedbearbeitungen, für die der hochartifizielle Gesang Holzmairs hie und da fast zu sophisticated anmuten mochte, mit denen man aber im zweiten Teil - etwa bei "I dream'd I lay" - doch in berührende Regionen vordrang.

Holl, Heltau, Maisenberg

Ebendort war auch der erste Abend in Holls Poesie-Zyklus angesiedelt. Modest Mussorgsky wurde da nicht nur als Meister der bewegend-machtvollen "Lieder und Tänze des Todes" vorgestellt, sondern auch als Komödiant, der als Dichter und Komponist einer Szene namens "Schaubude" amüsant Kulturpolitik betrieben hat.

Dergleichen wüßte man hierzulande ohne die Pionierarbeit Holls gar nicht. Das neue Präsentationskonzept führt die Hörer jedoch noch viel nachhaltiger in die unbekannten künstlerischen Welten ein, denn Holl hat neben seinem phänomenalen Klavierpartner Oleg Maisenberg, der noch die kleinste Regung des Textes in Klänge umzusetzen weiß, und neben seinem eigenen dramaturgischen Talent noch einen Trumpf im Ärmel: Michael Heltau rezitierte zwischendurch Briefe Mussorgskys und Texte von Tolstoi und Nekrassow, die auf wunderbar unprätentiöse Weise die Stimmung für die Musik aufbereiteten. Ein großer Abend im kleinen Rahmen des Brahmssaals war garantiert.

Der Musikverein hat also heuer zwei musikalisch-literarische Kostbarkeiten anzubieten.

Nächster Abend im Altenberg-Zyklus: 3. Dezember, Musik von Schumann und Schweizer Meistern.

Holl-Zyklus: 17. November, Schubert mit D. Lutz und Andrea Jonasson

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