Lust am Kampf gegen Windmühlen

Franz Bartolomey, Solocellist der Philharmoniker, spielt mit seinem Orchester heute Strauss' "Don Quixote" beim Klangbogen im Musikverein. Der leidenschaftliche Musikant im Gespräch.

Er ist Sproß einer veritablen philharmonischen Dynastie: Der Großvater war Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, der Vater und der Bruder waren philharmonische Streicher - er selbst ist der Mann am ersten Pult der Cellogruppe. Franz Bartolomey musiziert daher seit Jahren die heiklen Solopassagen in Opern wie "Die Frau ohne Schatten", "Die Walküre", "Otello" oder "Tosca".

Und er hat soeben Hochkonjunktur als "echter" Solist. Mit seinem Konzertmeisterkollegen Rainer Küchl musizierte Bartolomey in Salzburg das Doppelkonzert von Johannes Brahms.

Stimmen verschmelzen

Heute abend ist er im Musikverein "Don Quixote", wie Richard Strauss ihn in Töne gesetzt hat. Mariss Jansons begleitet mit - natürlich - den Philharmonikern. Wobei begleiten in diesem Fall das falsche Wort ist.

Bartolomey: "Mit dem Don Quixote ist das eine ganz eigene Sache. Es ist kein Cellokonzert, wo der Solostimme die Führung zukommt. Hier ist das Cello - wie übrigens auch die Bratsche, die man nicht vergessen darf - eingebettet in ein symphonisches Ganzes. Erst die Harmonie, die sich einstellt, wenn die Orchesterstimmen mit der Solostimme verschmelzen, erzeugt das, was Strauss sich vorgestellt hat. Es ist leicht, die Geschichte nachzuerzählen. Strauss komponiert ja Punkt für Punkt eine Handlung. Aber es ist schwer, das zu realisieren. Ich stelle mir vor, ich bin Schauspieler und spiele den Hamlet. Das kann er auch nicht ohne Ensemble."

Franz Bartolomey erinnert sich: "Als die legendäre Schallplattenaufnahme mit Emanuel Brabec und Lorin Maazel gemacht wurde, saß ich als Substitut in dem Orchester, dem ich später angehören durfte. Damals habe ich schon verstanden, daß ,Don Quixote' wirklich das wichtigste Stück für einen Solocellisten ist." Mit Andre Previn hat Bartolomey erstmals die Solostimme erarbeitet.

Aber auch beim wiederholten Mal: "Es bleibt die Krönung des Solocellisten-Daseins." Wobei er sich gewiß ist: "Man wird dabei von den Kollegen auf Händen getragen." Bartolomey ist einer der fleißigsten Musikanten Wiens. "Ich spiel' für mein Leben gern Cello", kommt es irgendwann beiläufig im Gespräch. Kammermusik, Soloauftritte und Orchesterspiel liebt er gleichermaßen, läßt sich keine Chance entgehen, mit Musikerkollegen neue Stücke zu erobern. Das liegt ihm im Blut.

Wie es so weit kommt? "Das geht", sagt Bartolomey, "von der Familie aus. Wo musiziert wird, dort bekommen die Kinder das mit. Bei mir war das auch so. Dann geht man in die Oper, trifft die Kollegen des Vaters - da ist die Begeisterung schon nicht mehr aufzuhalten."

Was ihn vielleicht am meisten fasziniert: "Das Miteinander von Singstimme und Instrumenten in der Oper." Das genießt er bei jedem "Dienst" im Haus am Ring. Wobei er am ersten Pult des öfteren als "Stimmungsmacher" fungieren darf - wie auf dem Musikvereins-Podium heute abend . . .

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