Auch wenn's dem Intendanten mißfällt

Così fan tutte entpuppte sich auch anläßlich der Wiederaufnahme nach sieben Jahren als wohl beste von Riccardo Mutis Da-Ponte-Produktionen im Theater an der Wien.

Mögen die Modernisten zürnen: "Così fan tutte" in Roberto de Simones Inszenierung vor den arkadischen Veduten Mauro Carosis im Theater an der Wien sieht aus wie "Così fan tutte", klingt wie "Così fan tutte" - und hinterläßt den Besucher so nachdenklich, wie nur Mozart, richtig verstanden, das kann.

Vor allem, wenn eine gute Sängerbesetzung das Werk nicht nur komödiantisch, sondern auch vokal bestens zur Geltung bringt. Voran Barbara Frittoli, eine wirkliche Primadonna, die vor keiner der halsbrecherischen Koloraturen zurückscheuen muß, die Mozart der Fiordiligi in die Gurgel diktiert. Und das obwohl der Sopran mit den Jahren farbenreicher, gewichtiger geworden ist, sodaß es der Frittoli auch gelingt, die reichen Zwischentöne auszukosten, die Mozart neben der virtuosen Gesangsartistik verlangt.

Das zu egalisieren vermag der Tenor Michael Schade als Ferrando, unglaublich flexibel und geschmeidig in der Phrasierung, mit ätherischen Pianissimi, aber auch kraftvoll, wo Verletzlichkeit angesichts des Intrigenspiels in Haß umschlägt. Die A-Dur-Arie gehörte auch dank der perfekten Kunst Schades, die Register zu verschmelzen, zu den besten vokalen Leistungen, die in der Opernstadt Wien zuletzt zu hören waren.

Perfekt auch der virile Guglielmo von Bo Skovhus, der weitaus souveräner mit Mozarts Ansprüchen an Beweglichkeit und Eloquenz der Stimmen zurande kommt als Angelika Kirchschlager, die sich als charmante, verschmitzte Dorabella hie und da ein bißchen über die schwierigsten Passagen schwindelt. Insgesamt bleibt sie mit ihrem Prachmezzo und dank ihres quicklebendigen Spiels auch eine wunderbare Besetzung.

Stefania Bonfadelli gelingt die Balance zwischen gewinnendem Theaterspiel und dem Kaschieren mancher technischer Mängel nicht ganz so gut. Sie ist jedenfalls optisch eine bezaubernde Despina, wohingegen Alessandro Corbelli die hintergründige Bosheit, den Zynismus des Alfonso auch vokal punktgenau zu servieren versteht.

Riccardo Muti hat, wie gewohnt, alle Fäden des szenisch-musikalischen Marionettenspiels fest in der Hand. Das Orchester folgt ihm mit Leidenschaft und herrlichem Klang - ausgenommen manche Bläserpassage, vor allem die schräg intonierenden Klarinetten am Ende der "aura amorosa" und die Harmoniemusik am Beginn der Gartenszene des zweiten Akts. Dem stimmigen Gesamteindruck tat das kaum Abbruch.

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