Franz Welser-Möst dirigierte als Abschluß seines Musikvereins-Zyklus eine aufregende Aufführung von Bruckners Achter Symphonie mit dem Gustav Mahler Jugendorchester.
Das Engagement, die ungestüme Leidenschaft, mit der die Musikanten des Gustav Mahler Jugendorchesters aufspielen, sind längst legendär. Freilich bedarf es eines Dirigenten, der angesichts der herkulischen Aufgabe, die eine Aufführung von Bruckners Achter immer darstellt, die jugendlichen Stürmer und Dränger unbeirrt auf der rechten Bahn zu führen versteht.
Technisch gesehen ist es Franz Welser-Mösts größte Leistung, dem Riesenapparat immer wieder auch leise und zarte Töne abzuverlangen und etwa den zwölf (!) Kontrabässen im Scherzo sogar so etwas wie graziöse Leichtigkeit abzutrotzen, wodurch die sonst oft reichlich blechgepanzerte Attitüde dieses Satz gehörig reduziert und der Symphonie doch ein leichteres Intermezzo geschenkt wird.
Mösts Übersicht hat, das spürt man, stets das große Ganze im Auge. Dieser Dirigent hat wie kaum ein anderer in unserer Zeit, ein Sensorium für Bruckners musikalische Welt, die eben nicht eindimensional auf weihevolles Pathos einerseits, bäuerliche Schlichtheit andererseits zu reduzieren ist. Wenn Möst Bruckner dirigiert, breitet die Musik ein reiches, durchaus leidenschaftlich durchglühtes menschliches Erlebensspektrum vor dem Hörer aus.
Aber sie entfaltet dessen expressive Aussagen nie forciert, sondern aus einer natürlich fließenden Entwicklung heraus. Sensationell, wie etwa die "Todesverkündigung" im Stirnsatz über den Hörer hereinbricht, als wüchse eine scheinbar ganz selbstverständlich entwickelte Steigerung jäh über sich hinaus - tönende Transzendenz, wie Bruckner sie in seinen kühnen künstlerischen Visionen wohl erträumt hat.
Die Musiker realisieren Mösts Vorstellungen mit hinreißendem Eifer, blendend abgestimmt die Streicher, strahlend und makellos das Blech. Nur die Holzbläserriege, angeführt von einem allzu selbstverliebten, aber nicht ganz perfekten Flötisten, agiert heuer etwas unausgewogen. Am Erlebniswert einer solchen Aufführung ändert das wenig.