Fabio Luisi in Salzburg: Ein Maestro auf der Überholspur

Fabio Luisi dirigiert die Premiere von Richard Strauss' "Liebe der Danae" bei den Salzburger Festspielen. Der vielbeschäftigte Maestro im "Presse"-Gespräch.

"Wir stehen zu diesem Stück", sagt Fabio Luisi, der am kommenden Montag, fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Salzburger Uraufführung, die "Liebe der Danae" im kleinen Salzburger Festspielhaus dirigiert. "Danae ist zwar seit damals kaum gespielt worden, aber es ist mit der Salzburger Festspielgeschichte eng verknüpft und spielt eine interessante Rolle im Spätwerk von Richard Strauss", analysiert der Dirigent.

Tatsächlich sollte das Werk, in seinen Grundrissen von Hugo von Hofmannsthal entworfen, von Josef Gregor, dem "Daphne"-Librettisten dann zu einer "Heiteren Mythologie" geformt, 1944 erstmals gezeigt werden. Hitlers Propagandaminister rief damals jedoch den "Totalen Krieg" aus, und die Theater im Deutschen Reich wurden geschlossen. Richard Strauss erlebte noch die sorgfältig geprobte Generalprobe. Die Uraufführung kam dann aber - mit etwas veränderter Besetzung - posthum 1952 heraus. Beide Male dirigierte Clemens Krauss, der auch an diesem Werk - wie etwa bei der "Ägyptischen Helena" oder "Arabella" - weitreichende Veränderungen vorgenommen hatte.

Fabio Luisi kann daher berichten: "Wir spielen die Danae erstmals so, wie Strauss sie geschrieben hat. Denn die Partie des Jupiter liegt sehr hoch. Krauss hat sie damals einen halben, zum Teil sogar einen Ganzton heruntertransponieren lassen. Strauss hat das gewußt, aber nur unter Druck eingewilligt. Sowohl Hans Hotter als auch Paul Schöffler haben den Jupiter in dieser Krauss-Version gesungen."

Mehr noch: "Sogar der Klavierauszug wurde in dieser Fassung gedruckt. Es gibt von der Originalfassung nur die Orchesterpartitur. Wir halten uns an diese, und unser Jupiter, Franz Grundheber, nimmt es auf sich, die schwierige Tessitura der Rolle zu meistern. Er sagt selbst, das sei die Herausforderung seines Lebens. Aber er singt es großartig."

Strauss erstmals original

Eine Art Uraufführung also, die sich am 19. August im Salzburger Festspielhaus ereignen wird, am selben Ort, wo das Stück 1952 gespielt wurde - beinahe zum ersten und letzten Mal. Luisi: "Das Stück gilt wie der ganze späte Strauss als reaktionär. Das ist es natürlich überhaupt nicht. Die Partitur ist von hohem ästhetischem Wert. Daß sich jemand in den vierziger Jahren gegen die sogenannte Moderne stellt, heißt ja noch nicht, daß es in seiner Musik keine Entwicklung gibt.

Die Musik von Strauss ist zu diesem Zeitpunkt schlanker geworden, etwa in jenem stilistischen Umfeld, in dem sich dann die berühmten Vier Letzten Lieder bewegen. Das ist höchst interessant. Außerdem ist das Sujet hervorragend - eine Heitere Mythologie, das bedeutet einen amüsanten, geistreich-hintergründigen Umgang mit der griechischen Vorlage, aber keine Parodie. Ganz und gar nicht."

Vielmehr, so erzählt der Dirigent weiter, "handelt es sich dabei um eine ganz stringente Geschichte zwischen Realität und Vorstellungskraft, wobei auch die allzeit aktuelle Abschiedsproblematik hereinspielt. Günter Krämer inszeniert es denn auch nicht als antikes Sandalenstück, sondern als Gesellschaftsdrama mit komödiantischen Elementen."

Zu überwinden war dabei lediglich die Schwäche des Gregor-Textes. Luisi: "Der ist halt nicht von Hofmannsthal. Es mangelt an Sprachwitz. Aber die Musik macht, glaube ich, diese Unzulänglichkeiten mehr als wett."

Fabio Luisi hat seit seiner erfolgreichen Wiener Zeit als Chef der NÖ Tonkünstler eine schöne Karriere gemacht. Bis vor kurzem war er Chefdirigent des Orchestre de la Suisse romande. Er leitet noch auf Jahre das Leipziger Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks und will dort etliche interessante Projekte realisieren, unter anderem einen Franz-Schmidt-Zyklus oder Aufführungen von Werken Karl Amadeus Hartmanns oder Frank Martins.

Eine CD-Gesamteinspielung der Symphonien Arthur Honeggers ist jüngst erschienen und erhielt hymnische Rezensionen auch in Fachmagazinen. Gastspiele absolviert Luisi in nächster Zeit bei Boston Symphony und der Dresdner Staatskapelle, die auch in Salzburg für die Strauss-Premiere im Graben sitzt, bei den Münchner Philharmonikern und in der Bayerischen Staatsoper, zu der sich der Kontakt intensivieren wird.

Für Österreich geht er dennoch nicht verloren. In Wien dirigiert Luisi kommende Spielzeit die Premiere von Donizettis "Favorita", im Jahr darauf Verdis "Falstaff". Sein Debüt bei den Wiener Symphonikern war so erfolgreich, daß auch da konsequente Fortsetzungen folgen könnten . . .

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