Es bleibt ein Blumenkinder-Versuch an Mozart

"Die Zauberflöte" in Achim Freyers Zirkuszelt bleibt trotz Bertrand de Billys schwungvoll-sensibler musikalischer Neueinstudierung einer der oberflächlichsten Salzburger Mozartversuche.

Der Irrtum, die aus der Wiener Volkskomödie herausgewachsene "Zauberflöte" Schikaneders hätte etwas mit Zirkus und Clownerie zu tun, erweist sich auch beim Rücktransfer der Produktion in die Felsenreitschule als fatal. Freyer hat versucht, anzuknüpfen an die Vermarktungsstrategien zahlloser "magischer" Zirkusse und sonstiger märchenhafter Blumenkinder-Versuche, uns in die Kindheit zurück zu zaubern.

Die Clowns, Feuerspucker und Jongleure purzeln nur so über die Bühne und sollen die Unbefangenheit in unsere rationalen Zeiten bringen.

So weit, so nett. Das Mysterium der "Zauberflöte", das Stück, um es kurz zu sagen, bleibt dabei völlig auf der Strecke. Es wird nicht erzählt. Das hat sich seit der Premiere nicht geändert.

Für die einzige Wiederaufnahme einer Mortier-Produktion in die neue Ära hat man immerhin mit Bertrand de Billy jenen Dirigenten verpflichtet, der mit seinen Mozart-Aufnahmen zuletzt hymnische Kritiken geerntet hat, indem er bewies, daß man nach wie vor an die feine Differenzierungskunst der Mozart-Spieltradition anknüpfen kann, ohne verzopft zu wirken.

Qualität des musikalischen Feinschliffs an Phrasierung und instrumentaler Balance hat kein Ablaufdatum. Überdies ist De Billys Aufführung von einem Brio, von großem inneren Schwung getragen, der mitreißen könnte, wenn diese Neueinstudierung mit adäquaten Sängern erarbeitet worden wäre.

Da blieben freilich allzu viele Schwachstellen. Vom bläßlichen Sarastro Alfred Reiters bis zum netten, um vokalen Feinschliff bemühten, aber doch schwach tönenden Papageno Simon Keenlysides. Barbara Bonneys glockenreiner Sopran macht nach wie vor hübsche Wirkung, sie hat die Pamina jedoch schon inniger gesungen. Die Königin der Nacht Diana Damraus versucht, blitzblank geputzte Koloraturen mit viel Espressivo zur dramatischen Attacke aufzublasen. Allein, die Position in der höchsten Höhe der Zirkuskuppel, die Freyer ihr zuweist, läßt diese Wirkung rasch verpuffen.

Rainer Trosts Tamino klang nach schwerer Indisposition. Der vokale Funke wollte an diesem Abend jedenfalls in keinem Moment zünden. Da waren denn die animiert und subtil aufspielenden Wiener Philharmoniker chancenlos. Symphonisch kann man der "Zauberflöte" nicht beikommen.

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