Richard Strauss war Mitbegründer der Salzburger Festspiele und eine ihrer prägenden Künstlerpersönlichkeiten. Ein Rückblick aus Anlaß der Premiere der "Liebe der Danae".
1944, in schwerster Zeit, wollte man im August dem Toben des Weltkriegs zum Trotz in Salzburg Festspiele abhalten. Geplant waren Mozarts "Cos¬" und die "Zauberflöte", Orchesterkonzerte der Berliner und der Wiener Philharmoniker, Nestroys "Lumpazivagabundus" und Lessings "Emilia Galotti". Als Höhepunkt programmierte man die Uraufführung von Richard Strauss' "Liebe der Danae". Es war zwar nicht seine letzte Oper, aber die einzige, die noch nicht uraufgeführt worden war.
Hitlers Propagandaminister Josef Goebbels rief jedoch den "Totalen Krieg" aus. Deutschlands Theater wurden geschlossen. Die Vorarbeiten für die Strauss-Premiere waren jedoch so weit gediehen, daß man einem auserwählten Kreis und dem Komponisten selbst ermöglichen wollte, das Werk szenisch zu erleben.
So fand am 16. August 1944 um 18 Uhr im (heutigen kleinen) Festspielhaus eine öffentliche Generalprobe statt. Clemens Krauss dirigierte, Horst Taubmann, Hans Hotter, Franz Klarwein und Viorica Ursuleac sangen die Hauptpartien. Es war neben der Aufführung von Bruckners Achter unter Furtwängler, zwei Tage davor, die einzige Salzburger Vorstellung dieses Sommers.
Strauss sollte die eigentliche Uraufführung seiner "Danae" nicht mehr erleben. Nach dem Krieg kamen zwar Angebote diverser Opernhäuser. Aber der greise Meister, erfüllt von dem Salzburger Erlebnis, wollte sein Werk ausschließlich in dieser Konstellation aus der Taufe gehoben wissen.
Es geschah - mit einigen Umbesetzungen am 14. August 1952, drei Jahre nach Strauss' Tod. Die Inszenierung Rudolf Hartmanns in den Bühnenbildern von Emil Preetorius war unverändert. Insofern knüpft der Entschluß des neuen Salzburger Festspielchefs, 50 Jahre danach noch einen Versuch mit der "Danae" zu wagen, an einen historisch bedeutsamen Punkt der Festspielgeschichte an.
Richard Strauss war ja Gründungsmitglied des Festivals und prägte dessen Entwicklung nachhaltig. Hatte man zunächst neben dem Hofmannsthalschen "Jedermann" vor allem auf den genius loci Mozart gesetzt, wurde Strauss bald einer der führenden Komponisten im Programm. 1926 kam, sechs Jahre nach der Uraufführung des "Jedermann" die von Hofmannsthal gedichtete "Ariadne auf Naxos" erstmals zu Festspielehren. Schon damals stand bei zwei der drei Vorstellungen Straussens Lieblings-Dirigent Clemens Krauss am Pult, eine Aufführung dirigierte der Komponist selbst.
1929 hielt der "Rosenkavalier" Einzug in den Festspielbezirk, bis heute die meistgespielte Strauss-Oper in der Salzburger Statistik. Wiederum war Krauss der Dirigent. Spätere Premieren leiteten etwa Josef Krips, Karl Böhm, Hans Knappertsbusch und, 1946, Hans Swarowsky.
Karajan bis Thielemann
In der Folge wählte Herbert von Karajan das Werk für die Eröffnung des Großen Festspielhauses, 1960. Es folgten neuerlich Böhm, später Christoph von Dohnanyi, nochmals Karajan und zuletzt Lorin Maazel. Die nächste "Rosenkavalier"-Premiere ist geplant, dabei soll Christian Thielemann am Pult stehen.
Zu Strauss' Lebzeiten blieb Clemens Krauss der fast alleinige Strauss-Dirigent in Salzburg. Er nutzte die Festspiele zunächst zur Durchsetzung des schwierigsten Musiktheater-Werks des Meisters, der "Frau ohne Schatten", die er nach der Wiener Uraufführung (1919) 1932 in den Festspielplan aufnahm. Außerdem erlebte Salzburg 1933, vier Jahre nach Hofmannsthals Tod, die Uraufführung der Neufassung der "Ägyptischen Helena". Die Oper auf ein schwieriges Libretto Hofmannsthals war 1928 erstmals gezeigt worden und entpuppte sich trotz blühend schöner Musik als zu wenig publikumswirksam.
Krauss, nie verlegen um Änderungswünsche, denen sich Strauss gern beugte, erwog eine Umdichtung. Weniger drastisch war das auch bei der "Frau ohne Schatten" passiert. Hier handelte es sich lediglich um Orchestrierungs-Retuschen und Kürzungen. Auch bei "Arabella" war es Krauss, der auf Änderungen drängte - sie zog erst 1947 ins Festspielhaus ein, als Günther Rennert damit sein Salzburger Regiedebüt feierte. Karl Böhm stand am Pult, Maria Reining sang die Titelpartie, Hans Hotter den Mandryka und die später legendäre Arabella Lisa Della Casa debütierte in der Schwester-Rolle, Zdenka.
Es war erst Gerard Mortier, der mit der Begründung, die Tantiemen für Strauss seien zu hoch, über einige Jahre die Opern des Festspielgründers boykottierte. Erst im Vorjahr brach eine moderne Deutung der "Ariadne" den Bann. Wenn heuer zum Jahrestag die "Danae" wieder auf dem Programm steht, dann knüpft die neue Ära an die historischen Wurzeln des Festivals an und holt den Festspielgründer mit jenem Werk, dessen Aufführung ihm ganz zuletzt am Herzen lag, heim.