Philharmoniker: Das Seelenleben des Ritters von der traurigen Gestalt

Der "Klangbogen" schloß mit einem exquisiten Konzert der Philharmoniker unter Mariss Jansons. Franz Bartolomey musizierte bewegend Strauss' "Don Quixote".

Als Vorbereitung für ihr Gastspiel in Luzern musizierten die Wiener Philharmoniker im Musikverein unter Mariss Jansons Strauss und Strawinsky. Ein wenig eigenwillig die Programmierung: Auf den "Don Quixote" folgten noch vergleichsweise lärmende "Akazistückeln" wie die "Rosenkavalier"-Walzer und der "Feuervogel". Gewiß, das Orchester hat mit Jansons ungewöhnlich akribisch gearbeitet. Das konnte man hören, denn so seelenvoll und detailverliebt modellieren die Philharmoniker ihre Parts selten.

Auch dort, wo sie sonst - übrigens auch zuletzt in Salzburg unter Jansons selbst! - großzügig und al fresco agieren, im "Rosenkavalier", herrschte diesmal die Kunst feiner Zwischentöne, vorsichtiger Farbmischung. Doch zuvor war der "Don Quixote" ein Ereignis von stiller Größe gewesen, einer Größe, die keinerlei Effekthascherei mehr zulassen sollte.

Wie auch immer: Wie Franz Bartolomey, Solocellist der Philharmoniker, den Titelhelden, wie Richard Strauss ihn in Töne gesetzt hat, diesmal verwirklichte, ließ das Publikum im Goldenen Saal den Atem anhalten. Eine schlichte, uneitle Erzählung, die uns Cervantes' Helden ganz und gar nicht als komische Figur vorführte. Da klang ein Psychogramm in Tönen, introvertiert, ohne große Geste, aber von einem Erlebnisreichtum, der sich in vielfältigen Klangnuancen, aber auch in edelster, weil ganz unaufgesetzter Melodieführung spiegelte.

Die philharmonischen Kollegen betteten den Solopart wahrhaftig behutsam in ein ebenso beredtes Umfeld. Faszinierend, wie die Cellogruppe sich in der Traumerzählung vielfarbig auffächern kann, verschmitzt, wie sich Konzertmeister Rainer Küchl als Kompagnon zum Celloton gesellt. Erstklassig auch der Sancho Pansa in Gestalt des Bratschensolos von Christian Frohn. Er musizierte mit Tuba und Baßklarinette die komischen Anmerkungen des Knappen mit rechter Fabulierlust.

Mariss Jansons' Leistung ist kaum zu überschätzen: Er sieht Strauss keineswegs als Meister eines äußerlichen Orchesterzirkus, wie das so häufig geschieht. Er hat mit den Philharmonikern ernsthaft an der subtilen, niemals unbescheiden auftrumpfenden Darstellung des Gehalts einer virtuosen Partitur gearbeitet. Das trug Früchte: Wiens Musikfreunde waren ganz offenkundig tief bewegt.

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