Einen Mottenmann und einen Skorpionkönig beschert das amerikanische Kino diese Woche; die großen Filme aber kommen aus Frankreich und Berlin.
Mein Stern. Nur eine Stunde lang, aber zweifellos der Film, der diese Woche am meisten über die Welt erzählt: Valeska Grisebach filmt die Beziehung zwischen zwei Teenagern in Berlin-Mitte samt allen dazugehörigen Glücksmomenten und Peinlichkeiten. Eine Sternstunde des realistischen Kinos jüngerer Prägung.
Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr. Ebenfalls eine Großtat: Der Franzose Claude Lanzmann inszeniert eine Erweiterung seiner monumentalen Erinnerungsarbeit Shoah. Ein karger, konzentrierter Film über einen Holocaust-Überlebenden: Ein Interview mit Yehuda Lerner, Teilnehmer des geglückten Aufstands im Vernichtungslager Sobibor, mit minimalen Mitteln verdichtet. Kein leichter, aber ein wichtiger Film.
The Mothman Prophecies - Tödliche Visionen. Aus Amerika stammt dieser visuell eindrucksvolle, ein wenig überkandidelte Thriller mit Richard Gere auf den Spuren einer metaphysischen Erscheinung. Durchaus vertretbar, auch wenn sich im überlangen Showdown zeigt, warum ein B-Picture besser doch nur 90 Minuten dauern sollte.
Kate & Leopold. Eine romantische Komödie mit Meg Ryan, Hugh Jackman und Zeitreise-Verwicklungen. Ein Unterhaltungsstück, von James Mangold solide inszeniert.
The Scorpion King. Der lange angedrohte Ableger von Die Mumie kehrt zurück. Wrestling-Champion The Rock als Skorpionkönig im Kampf gegen das Böse: Ein krachledernes Action-Spektakel für Freunde muskulöser Körper.
Nicht von dieser Welt. Eine Nonne kümmert sich um ein Findelkind und entdeckt mütterliche Gefühle. Kitschfreier Sozialrealismus aus Italien, exzellent gespielt, insbesondere von Hauptdarstellerin Margherita Buy.
Dichotomie. Eine Reihe "nächtlicher Bilderbögen" im Schauspielhaus beginnt diesen Freitag und Samstag. Filme zwischen Wachen und Träumen, unter anderem von Bill Viola und Tim McMillan, dazu eine Lesung von Christoph Grissemann. Bruce Conners leuchtendes, kurzes Experiment Take the 5:10 To Dreamland ist alleine schon den Eintritt wert.
Das rote Wien. Eine Filmreihe mit Raritäten und seltenen Archivdokumenten ab 1. Mai im Filmhaus Stöbergasse anläßlich der Neuauflage von Helmut Weihsmanns gleichnamigem Buch. Neben dem Stummfilmklassiker Stadt ohne Juden kommt unter anderem der faszinierende Science-Fiction-Propagandafilm Die vom 17er Haus zur Aufführung.
Film & Theorie. Heute abend im Audimax der TU-Wien: Andres Veiels zwiespältige, hochinteressante Doku Black Box BRD. Anschließend
ein Vortrag dazu im Depot, gehalten von Vrääth Öhner.
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