Pop

Songcontest: Lettland umgezogen, Malta verstaubt

Beim Songcontest der Eurovision in Tallinn siegte Lettland vor Malta. Manuel Ortega erreichte für Österreich den 18. Platz.

Der österreichische Kandidat Manuel Ortega hatte sich einen netten amerikanischen Akzent   la "Howdy" zugelegt und das Zeigen mit dem Zeigefinger geübt. Doch vergebens: Sein halb herziges "Say A Word" erreichte nur den 18. Platz von 24. Sei's drum. Dieser Beitrag war längst nicht so peinlich wie der deutsche - Corinna May mit dem blödsinnig fröhlichen "I Can't Live Without Music" - oder der spanische - ein Schlager für den europäischen Schlag oder umgekehrt.

Absichtliche Parodien waren heuer kaum auszumachen, auch wenn die Klingonen-Truppe aus Griechenland anmutete wie böswillig falsch verstandener Elektro-Pop (tragbare Keyboards, Hilfe, schon wieder diese achtziger Jahre!), auch wenn "Prime Minister" aus Rußland vorführten, wie mafios eine Boygroup wirken kann und ein weißblonder belgischer Rock-Tölpel auf Turnübungen und Züngeln nicht verzichten wollte.

Ja, auch dergleichen paßt - gerade noch - in die Welt des Hitparaden-Pop, dessen arme Verwandtschaft sich alljährlich im Songcontest produzieren darf. Die zeitlos-skurrile Gegenwelt, die dieser Bewerb noch vor zehn Jahren repräsentierte, ist längst pass©, darum hat er auch sein "Camp"-Image - so schlecht, daß es schon wieder gut ist, Federboa, ha, ha, ha - verloren. Es gibt keinen Grund mehr für "schräge" Songcontest-Parties, das hier ist die Normalität.

In dieser herrschte erstaunliche Einigkeit für den ersten und zweiten Platz. Maria N. siegte für Lettland mit dem flotten, durch leichte Cabaret-Untertöne interessanten "I Wanna" und reicher Schwarz-weiß-Choreographie inklusive Beinahe-Garderobenwechsel. Knapp dahinter Malta mit einem Song, von dem man sich nicht mehr gemerkt hat, als daß er nicht störte und daß die Sängerin (Ira Losco) glitzernden Staub von sich blies.

Tollkirschen und Leder

Wie im Hitparaden-Pop wird auch beim Songcontest derzeit weiblicher Sex-Appeal sehr gezielt eingesetzt: Tollkirschen-Augen und ein strategisch geschlitzter Rock aus Estland, versilberte Disco-Girls aus Schweden, schwere Lider (und ein leichtes Lied) aus Kroatien. Die ein wenig strapaziöse Finnin trug eine Schlange am Ohr, auch das ist nicht unbedingt geschmacklos.

Die Herren in den Chören und an den elektrischen Gitarren dagegen führten allzu häufig ihre alten Lederhosen aus. Ebenfalls ledrige, ausgesprochen suburbane Beaus aus Zypern erfreuten immerhin durch atemlosen Beat - zumindest im Vergleich mit dem derzeit offenbar von allen führenden Ohrenwaschmaschinenfirmen empfohlenen Großraumdisco-Einheitsrhythmus. Aus Litauen kamen originelle Pullover, in einem steckte ein nicht unbegabter androgyner Sänger.

Kalorienreiche Songcontest-Ware wie früher bot eigentlich nur das rumänische Duo. Ja, und Frankreich hält an der gewohnten Billigversion von "seelenvoller" Ballade fest. Sonst, wie gesagt, alles im Bereich der Normalität, also trist.

Weniger trist ist es, daß Österreich 2003 in Riga nicht mitmachen darf. Und Stermann und Grissemann dürfen sich zum Entschluß gratulieren, dieses Ereignis nie mehr wieder auf FM4 zu kommentieren. Andi Knoll, der den harten Job fürs ORF-Fernsehen besorgte, war übrigens deutlich witziger als diese beiden Leider-nicht-Teilnehmer.

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