Nun haben wir ihn also, den geklonten Menschen, in utero, in der achten Woche. Es (er) hat ja so kommen müssen.
Haben wir ihn wirklich? Wir haben eine von einem Wissenschaftsmagazin kolportierte Meldung, nicht bestätigt, nicht dementiert, wir haben die übliche Debatte. Ausgelöst von einem als Angeber bekannten Gynäkologen. Mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine Mischung aus Wichtigtuerei und Mißverständnis.
Kann man also beruhigt sein? Nicht wirklich. Denn so unwahrscheinlich es ist, daß es Antinori geglückt ist, einen Menschenklon herzustellen und einer Frau zu implantieren, so beunruhigend ist es, daß nicht einmal die so angesehene wissenschaftliche Gemeinschaft mehr einschätzen kann, auf welchen Fakten solche Meldungen beruhen.
"Chinesische Wissenschaftler klonen menschliche Embryonen" hieß es (wieder einmal) vor kaum zwei Wochen - und auch den Wahrheitsgehalt dieser Meldung konnte niemand einschätzen. Es liegt ja auch keine Publikation vor. Ähnlich verhält es sich mit der Stammzellen-Forschung. Die Versuch-und-Irrtum-Methoden, die dort angewendet werden, sind oft weit entfernt vom wissenschaftlichen Ideal der Reproduzierbarkeit, ihre lückenhafte Beschreibung durch die Forscher erinnert bisweilen eher an die Erschaffung des Homunculus im "Faust" als an ein ordentlich ausgewertetes Laborprotokoll.
In vielen Fällen liegt der Verdacht nahe, daß die Experimente gar nicht nachvollziehbar sein sollen, daß die Berichte primär als Public relations für Firmen dienen. Die nicht kommerzielle, "öffentlich-rechtliche" Forschung hat in diesen Bereichen schon so sehr an Terrain verloren, daß ihre Ideale passé sind. Freie Bahn für Spekulanten, Blender - und auch für Hasardeure, die gewillt sind, Rückschläge in Form mißratener Menschenklon-Versuche in Kauf zu nehmen.
So gewöhnen wir uns just in der unmittelbar das menschliche Leben betreffenden Forschung an zweifelhafte Sensationsmeldungen. Die Befürchtung liegt nahe, daß wir uns auch an den Chor der Kritiker und Ethiker gewöhnen werden: als sorgenvolle Begleitmusik zu einer methodisch und ethisch sorglos gewordenen Forschung.