Neue Ordnung für Wiens Theater

Opern wieder im Theater an der Wien: Ein rarer Glücksgriff der Wiener Rathausmänner.

Das Theater an der Wien war jahrzehntelang Symbol für das Brett, das die Wiener Kulturpolitik vor dem Kopf getragen haben. Was immer man an Argumenten gegen den Mißbrauch dieses traditionsreichen und akustisch so herrlichen Hauses durch mikrophonverstärkte Musicalproduktionen vorbringen mochte, die Stadt mauerte.

Seit Dienstag ist alles anders. Bürgermeister Häupl gab grünes Licht für die Umkehrung aller Werte. Ab 2007 wird im Theater an der Wien die Klassik regieren. Immerhin: Hier wurden Meisterwerke vom "Fidelio" bis zur "Lustigen Witwe" uraufgeführt, hier erlebten die Wiener die Glanzzeiten des Staatsopernensembles nach 1945. In keinem anderen Haus kommen etwa Mozart-Opern so ideal zur Geltung.

Das alles wußte man. Aber es wurde ignoriert. Insofern darf man der bürgermeisterlichen Entscheidung den lautesten Applaus zollen. Es stehen, das wurde auch an dieser Stelle oft und oft erzählt, für das Musical moderner Prägung mit dem Raimundtheater und dem Ronacher zwei Bühnen der Stadt zur Verfügung. Das wird für dieses Genre wohl reichen. Daß man diese vernünftige Argumentation auch im Rathaus zur Sprachregelung gemacht hat, kommt spät, ist aber doch erfreulich.

Anderseits bleiben bei dem plötzlichen Stimmungsumschwung doch Fragen offen, die geklärt werden sollten. Da ist zum einen die schiefe Optik der Bestellung des derzeitigen Leiters der Vereinigten Bühnen, Rudi Klausnitzer, zum Konsulenten bis 2004. Der ziemlich einzigartige Fall, daß jemand, der aus dem Theater- in den Medienbereich wechselt, nach wie vor an der künstlerischen Front mitreden darf und soll.

Da ist des weiteren die Bestellung zweier Vordenker für die künftigen künstlerischen Aufgaben der Vereinigten Bühnen. Kathrin Zechner, ehemals ORF, darf sich Gedanken über die Zukunft von Ronacher und Raimundtheater machen, Hans Landesmann wird über das Theater an der Wien philosophieren. Beide haben, das muß schon auch gesagt werden dürfen, noch nie die künstlerische Leitung eines Theaters übergehabt. Doch gilt Zechner als Unterhaltungsspezialistin. Und Landesmann sitzt in unzähligen Gremien und Aufsichtsräten, unter anderem bei den Bundestheatern und bei den Festwochen, mit denen man weiterhin zusammenarbeiten möchte.

So verspricht man sich Synergieeffekte bei der Planung. Denn Landesmann hat, so meint man im Rathaus, auf Grund seines Multifunktionärsstatus den Überblick.

Er hat freilich auch eine Schlacht gewonnen. Ioan Holender, Staatsoperndirektor, hatte sein Interesse am Theater an der Wien angemeldet und wird nun, so Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, bestenfalls eine Produktion pro Jahr dort herausbringen dürfen. Wie weit er nun kooperationsbereit ist, bleibt abzuwarten.

Sicher ist man im Rathaus, daß Landesmanns Planungsarbeit für den künftigen Intendanten des Theaters an der Wien kein Präjudiz sein wird. Landesmann werde, so die Stadt-Obersten einhellig, gewiß dazu beitragen können, einen geeigneten Kandidaten für das Amt ausfindig zu machen.

Das wird verschmitzte Kommentare heraufbeschwören, denn Landesmann war bereits in Salzburg Mitglied einer Findungskommission und hat neben Gerard Mortier vor allem sich selbst gefunden. In puncto Theater an der Wien steht sein Name bisher vor allem für die Organisation von Wien-Gastspielen von Produktionen des Herrn Festwochen-Intendanten und von Gastspielen heimischer Provinzbühnen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Jetzt geht es um die Neuordnung des gesamten Wiener Theaterlebens. Ein wichtiger Schritt ist endlich gesetzt. Man wird die folgenden klug zu bedenken haben.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.