Das Ende einer Partei

Die Hauptschuld am Chaos in der Wiener ÖVP ist dem scheidenden Parteichef Görg zu geben.

Es ist ein dummer Kalauer, aber derzeit scheint es das Motto der Wiener Volkspartei zu sein: Wir wissen zwar nicht was wir wollen, aber das mit aller Kraft.

Es ist wirklich bemerkenswert, mit welchem Dilettantismus hier ein Parteichef und Dutzende Parteimitglieder agieren. Da wird auf höchster Ebene ein Wechsel des Obmanns knapp vor der nächsten Nationalratswahl ausgemacht, um mit einer "Kick-off"-Veranstaltung einen neuen Schwung in die Partei und in die Wahlbewegung zu bringen - leider verabsäumt man, das den Parteimitgliedern mitzuteilen. Da meutern still und heimlich Bünde, altbekannte Intriganten und gesamte Bezirksorganisationen, fordern einen Sonderparteitag und eine Ablöse von Görg, ohne aber zu wissen, wen man inthronisieren soll. Da kündigt ein Parteichef seinen Rückzug unter der Voraussetzung an, daß ein Bundespolitiker, der "zweimal in der Woche in der ,Zeit im Bild' vorkommt", an die Spitze einer maroden Landesparteiorganisation tritt. Dafür dürfte wohl der Intelligenzquotient jedes Bundespolitikers zu hoch sein.

Wenn man dieses Agieren beobachtet, dann ist es wirklich bemerkenswert, daß eine solche Partei überhaupt noch auf einen Wähleranteil von 16,4 Prozent gekommen ist.

Die Hauptschuld an dem Chaos ist sicher dem scheidenden Parteichef Görg zu geben. Unmittelbar nach der Gemeinderatswahl im März 2001 hatte er seinen Rücktritt erklärt und sich nur auf Bitten der Parteifreunde breitschlagen lassen, vorerst noch in seiner Funktion zu bleiben. Statt diese Zeit zu nützen und einen Nachfolger aufzubauen, hat Görg seine ganz persönliche Politik gemacht. Und damit hat er alle verärgert, die eine klare Linie haben und neuen Aufschwung spüren wollten. Man wurschtelte eben so weiter wie bisher.

Verständlich, daß sich in der Partei Ärger aufstaut - unverständlich aber, daß man in schlechter ÖVP-Tradition erst einmal den Parteiobmann töten will, statt mit Konzepten und Personalvorschlägen zu kontern.

Nach diesem unrühmlichen Schlußpunkt sollte man sich in Wien wirklich überlegen, ob man die Partei - wie einst in Innsbruck - nicht besser neu gründet.

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