Die Reiselust wurde durch den 11. September nicht dauerhaft gebremst. Es zeichnet sich ein Wandel vom Wohlstands- zum Wohlfühl-Tourismus ab.
WIEN (cr). "Der Tourist hat ein chronisches Kurzzeitgedächtnis, er leistet keine Trauerarbeit, daher ist die Reiselust durch die Vorkommnisse am 11. September nicht dauerhaft gestoppt worden", meinte der berühmte deutsche Tourismusforscher Horst Opaschowski anläßlich der Vorstellung der 7. österreichischen Tourismusanalyse, die von Casinos Austria und dem Wiener Ludwig Boltzmann Institut für Freizeit- und Tourismusforschung am Donnerstag präsentiert wurde.
"90 Prozent der Österreicher bleiben von den Terroranschlägen hinsichtlich ihres Reiseverhaltens weitgehend unbeeindruckt, nur vier Prozent wollen das Verkehrsmittel, drei Prozent das Urlaubsziel wechseln", ergänzte Peter Zellmann vom Ludwig Boltzmann Institut.
Kroatien im Kommen
Dennoch ließe sich die Urlaubsplanung in Österreich heuer eher vorsichtig an: 32 Prozent waren sich bei der Befragung im Jänner dieses Jahres sicher, in diesem Jahr keinen Urlaub zu machen (2001 waren es 29 Prozent), Von den 43 Prozent, die fix zu einer Reise entschlossen sind (2001: 45 Prozent), wollen 18 Prozent in Österreich bleiben (minus 1 Prozent), wobei die rotweißroten Favorits Kärnten und die Steiermark bleiben. 14 Prozent der Österreicher planen heuer eine Italienreise (minus 1 Prozent gegenüber dem Durchschnitt 1996 bis 2001), zehn Prozent wollen nach Griechenland (minus 1 Prozent) reisen. Stark im Kommen sind die Feriengebiete Sloweniens und Kroatiens mit neun Prozent (plus 5 Prozent), zu den Gewinnern zählt auch die Türkei mit sechs Prozent (plus 1 Prozent).
Bei den Deutschen wird Österreich als Reiseziel nicht gewinnen, sondern bleiben, wo es seit fast 30 Jahren steht: An dritter Stelle in der Hitliste der ausländischen Urlaubsländer (nach Spanien und Italien). Apropos Spanien: Dieses Land verliert sowohl für Österreicher (minus zwei Prozent) als auch für Deutsche an Attraktivität. "Das Preis-Leistungsverhältnis in Spanien stimmt einfach nicht mehr", meinte Opaschowski.
Auto wichtiger als Urlaub
Nicht mehr stimmt auch, was vor wenigen Jahren noch gegolten hat: Am allerletzten werde beim Urlaub gespart. "Heute hat das Auto in Österreich endgültig den höheren Stellenwert als der Urlaub", weiß Zellmann. "Vermutlich , weil Autos mehr Geborgenheit, mehr Wohlgefühl vermitteln als wir bisher angenommen haben."
Wohlfühlen, weg von lauten Events, hin zu Wärme und Wohlbehagen, hin zu Wellness, das ist auch im Urlaub das Gebot der Stunde. Zellmann: "Es zeichnet sich ein Wandel vom Wohlstands-Tourismus hin zum Wohlfühl-Tourismus ab."