Das Restaurant namens „Hexensitz“ gibt es schon seit geraumer Zeit. Bei allem üblichen qualitativen Auf und Ab hat es seine Stellung als fashionabler Treffpunkt im Süden Wiens bewahren können.
Angenehme Atmosphäre, im Sommer ein herrlicher Gastgarten, netter Service und eine ideenreiche, meist sehr gute Küche – der „Hexensitz“ hat seine Stellung als eines der guten Lokale im Umfeld von Wien über die Jahre hin behaupten können und ist nach wie vor eine der Adressen, die nicht nur die ringsum ansässige Schickeria gern frequentiert.
Die Speisenkarte verrät die Ambition der Küche: Man will hier Klassiker servieren, aber auch kreativ verändern und um feinsinnige Varianten bereichern. So finden sich unter den Vorspeisen ein Rindfleischsülzchen oder ein Matjeshering auf Apfelgelee, aber auch ein pikanter Hirschrücken auf Apfelsellerie und Gänselebercreme. Neben der Rindsuppe mit Einlagen, die man klassisch vor einem Beinfleisch (mit Mangold und Erdäpfelschmarrn) genießen kann, serviert man auch Bärlauchcreme- oder Petersilwurzelschaumsuppe.
Groß ist der Bogen, den die Hauptgerichte (6–19 Euro) beschreiben. Krautfleckerl mit Salat, ein klassisches Kalbswienerschnitzel oder Kalbsrahmgulasch mit gebratenen, böhmischen Knödeln sind für Traditionalisten gedacht, ein feiner Kaninchenrücken mit Nußerdäpfeln und Lauchgemüse lockt fortschrittlichere Esser.
Erstaunlich, daß im Abendmenü (31 Euro) bei unserer Verkostung zwischen dem Hirschrücken und einem deliziösen Schokominz-Mousse zwei Gänge mit Nudeln serviert wurden: Die gebratenen Garnelen, exzellent mit Lemon-Juice abgeschmeckt, begleiteten schwarze Spaghettini, das mit Bärlauch gefüllte, eher trockene Hühnerbrüstchen allzu milde Rahmnudeln – die einzige Enttäuschung im ansonsten feinen Angebot. Erstklassige Weine schenkt man auch offen aus.