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In Kürze

Liebe! "Ich wollte, ich wäre ein Malzbonbon / Und du, du würdest mich lutschen" - Joachim Ringelnatz faßt "das große Gefühl" oder, je nach Gusto, die eine Krankheit auf der Welt, die ein "Du" ist (Elfriede Gerstl), um einiges lauschiger in Worte, als das Prince Charles' etwas krude telephonische Tampon-Phantasie vermochte. Ilse Walter hat sie in der Anthologie Liebe! gesammelt, die, äh, Ergüsse zum Thema, querbeet durch die Weltliteratur: mal poetisch, mal prosaisch, mal "Silben aus Sammet" und "Sätze aus Plüsch" (Emily Dickinson), mal anzüglich und anlassig, mal keck kolumniös, mal kalt kalkuliert - aber hinter allem lauert das
Ringelnatzsche "Ja - - ja! - -  ja!! - - ja!!! - -" (208 S., geb., € 14,90, S 205; Deuticke Verlag, Wien).

Das Rätsel um die Mary Celeste. Am 5. Dezember 1872 machten die Männer eines Handelsschiffs im Atlantik einen Frachtsegler aus, der Wind und Wellen führerlos ausgesetzt war. Die Mary Celeste war vollkommen seetüchtig und unversehrt, aber menschenleer. Piraterie war auszuschließen, denn viele Wertsachen waren an Bord geblieben. Von der Mannschaft wurde nie jemand geborgen, und bald rankten sich Geschichten und Gerüchte um den mysteriösen Fall. Eigel Wiese entwickelt in Das Geisterschiff - Die Geschichte der Mary Celeste eine stringente Lösung des alten Rätsels. Spannend. Das Buch ist übrigens in Segeltuch gebunden (192 S., € 17,22, S 237; Europa Verlag, Hamburg).

Zweite Existenz. Eigentlich wollte er dem in hohe Wirtschaftsfunktionen aufgestiegenen Nazi-Schergen nur einen Denkzettel verpassen, aber die Aktion endet für diesen tödlich. Nun muß der Attentäter untertauchen und versuchen, sich eine zweite, unauffällige Existenz aufzubauen. Der Kriminalist, der diese lange zurückliegende Tat aufklären will, ist schon längst pensioniert, die Erinnerungen an die Zeiten der RAF verblaßt. Und dann kommt es in Franz Maria Sonners virtuosem Thriller Die Bibliothek des Attentäters zu einem überraschenden Showdown. Ein Buch, wie von Friedrich Dürrenmatt geschrieben (220 S., geb., € 20,10, S 277; Kunstmann Verlag, München).

Schillers Schädel. Sein Leben lang mit osteologischen Studien beschäftigt, behandelte Goethe Knochen als "Text, woran sich alles Leben und alles Menschliche anhängen läßt". Was Albrecht Schöne wiederum dem abenteuerlichen Schicksal von Schillers Schädel alles "anhängt", den Goethe sich am 24. September 1826 ins Haus bringen ließ, ist Essayistik vom Gepflegtesten (110 S., brosch., € 12,40, S 171; Beck Verlag, München).

Arnulf Rainer. "Wenn man gleich aufgibt und ins Caféhaus geht, wird man kein Künstler . . . Die Szene besteht bekanntlich auch darin, daß man im Wirtshaus zusammensitzt." Also sprach der "Übermaler" - und zwar in einem langem Interview, das sich im aktuellen Doppelheft der Zeitschrift Quart abgedruckt findet. Die vom Forum Kunst-Wissenschaft-Medien herausgegebene Vierteljahresschrift ist "Gottes neuen Kleidern" gewidmet und hat mit Beiträgern wie Adolf Holl, Peter Strasser und Wolfgang Palaver aufzuwarten; letzterer mit einem Essay zum Thema "Kapitalismus als Religion" (Heft 3/4, € 3,63, S 50).

Rembrandts Zeichnungen zeigen nicht nur, wie der Meister mit unterschiedlichen Zeichenmitteln experimentierte; an ihnen läßt sich auch der künstlerische Schaffensprozeß nachvollziehen, was ihnen große Unmittelbarkeit verleiht. Zu überprüfen in Thea Vignau-Wilbergs großem Bild-Text-Band Rembrandt auf Papier - Werk und Wirkung (364 S., Ln., € 55, S 757; Hirmer Verlag, München).