FH-Studenten: Wunsch nach Zeit zum Nachdenken und Selbststudium

Absolventen beurteilen ihre Fachhochschule: Trotz guter Noten gibt es auch Verbesserungsbedarf.

WIEN. 79 Prozent der FH-Absolventen waren mit ihrem Studium sehr zufrieden. Für mehr als ein Viertel war das vorgeschriebene Berufspraktikum die Rutsche in die Arbeitswelt.

In einer in der Arbeiterkammer präsentierten Studie stellten die Absolventenjahrgänge 1997 bis 2000 ihrem FH-Studium ein sehr gutes Zeugnis aus. Insgesamt 1117 Fragebögen werteten die Sozialforscherinnen Judith Ziegler und Andrea Hoyer im Auftrag des FH-Rats aus.

In der anschließenden Diskussion wurde allerdings von Seiten der Betroffenen nicht mit Kritik gespart. Angesichts der steigenden Anzahl und zunehmenden Spezialisierung der Lehrgänge (125 werden derzeit angeboten) wundert sich etwa Gudrun Tockner, eine "99erin", die in einer Personalberatung tätig ist: "Wo bekommen die jetzt die qualifizierten Lehrkräfte her?" Antwort: 80 Prozent der Lehrenden unterrichten nebenberuflich. Einerseits gut, denn Lehrinhalte am Puls der Zeit schätzen die Studenten besonders. Andererseits: Für Forschung an den FH haben Teilzeit-Lehrer keine Zeit.

Der generelle Wunsch nach mehr Wissenschaftlichkeit besteht aber: 30 Prozent vermissen eine systematische Aufarbeitung ihrer Pflichtpraktika im Unterricht. Mehr Zeit zum Nachdenken und zum Selbststudium lautet ein Wunsch. Doch das steht nicht am Stundenplan. Denn freie Zeit ist an den Fachhochschulen angesichts der Anwesenheitspflicht Mangelware. Besonders Besucher berufsbegleitender Lehrgänge am Abend sehen den Pflichtbesuch ambivalent: Da müssen - in 20 Prozent der Fälle - Ausreden für den Arbeitgeber erfunden werden. Auch gegenüber der Familie gibt es Erklärungsbedarf.

Andererseits ist die Schule auch ein geschützter Raum. "Wenn ich zu Hause bin, dann versteht meine vierjährige Tochter nicht, daß der Papa keine Zeit hat, weil er jetzt lernen muß", erteilt ein Absolvent einer E-learning-Variante eine Absage. Das Recht auf Bildungskarenz und die Anrechnung von Berufserfahrung könnten hier Erleichterung bringen, glaubt Susanne Schöberl von der Arbeiterkammer.

Frauen sind den männlichen Kollegen nicht nur zahlenmäßig (1:3 laut Studie) unterlegen: Ihr Einstiegsgehalt ist durchschnittlich um 14 Prozent niedriger. Unter den zehn Prozent, die nachher eine Spitzenposition geschafft haben, findet sich eine einzige Frau.

Aufwertung in Kärnten

Weiteres Kuriosum: Im Besoldungsschema des öffentlichen Dienstes spielen FH-Absolventen in einer anderen, weil niedrigeren Liga als ihre Kollegen von der Uni. Kärnten ist eine Ausnahme: Landeshauptmann Jörg Haider will in der heutigen Regierungssitzung eine Gleichstellung der Absolventen beantragen, die ÖVP hat schon ihre Zustimmung signalisiert.

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