Slovenská Poistovna hat am Kfz-Markt einen Marktanteil von 100 Prozent und ist auch in den anderen Sparten unangefochten. Mit Privatisierung und Liberalisierung kommt es nun zum Big Bang.
PRESSBURG. Zum Jahreswechsel 2001/2002 fällt mit dem Monopol auf Kfz-Haftpflichtversicherungen das letzte große Relikt der Planwirtschaft in der slowakischen Versicherungsbranche. Und fast zeitgleich damit wird auch die mit Abstand größte Versicherung des Landes privatisiert, die dieses Monopol derzeit noch hält: die Slovensk¡ Poistovna (SP), die aber auch in anderen Versicherungssparten marktbeherrschend ist und daher wohl auch ohne Monopol noch jahrelang die überlegene Nummer eins unter den Versicherungen der Slowakei bleiben wird.
Im Bewußtsein vieler slowakischer Durchschnittsbürger ist sie nicht irgendeine, sondern fast wie in alten realsozialistischen Zeiten immer noch schlicht und einfach die Versicherung. So lautet auch ihr Name in deutscher Übersetzung. Im Vorjahr erzielte die SP einen Gewinn von nur 100 Mill. Kronen (knapp 32 Mill. S/2,32 Mill. Â) bei einer Bilanzsumme von 30,3 Mrd. Kronen. Derzeit beschäftigt sie über 3500 Mitarbeiter.
Alle Sparten zusammengenommen, hält die SP trotz wachsender Konkurrenz durch die zahlreichen Töchter internationaler Versicherungsriesen, die seit der Wende vor zwölf Jahren ins Land gekommen sind, noch immer ziemlich genau die Hälfte (48,21 Prozent) des gesamten Marktes. Die andere Hälfte teilen sich übrigens ganze 28 Institute, wobei österreichische Versicherungstöchter wie Kooperativa (Wiener Städtische) und Uniqa zum seit Jahren etablierten Spitzenfeld gehören.
Dementsprechend groß war auch das Käuferinteresse, als die slowakische Regierung das Institut im Juni zur Privatisierung ausschrieb. Insgesamt 23 Interessenten wurden beim slowakischen Finanzministerium vorstellig, um die Privatisierungsunterlagen zu erhalten. Tatsächlich geboten haben dann acht, von denen die staatliche Auswahlkommission Anfang September vier Institute in die engere Auswahl nahm: die deutsche Allianz, die italienische La Fondaria und die beiden paneuropäischen Versicherungsriesen Aegon und Eureko mit Sitz in den Niederlanden.
Städtische ausgeschieden
Mit der Wiener Städtischen, die über ihre starke Slowakei-Tochter Kooperativa mitbot, und dem tschechischen Schwesterinstitut der SP, Cesk¡ Poistovna (Tschechische Versicherung) sind bereits zwei der ursprünglichen inoffiziellen Favoriten überraschend aus dem Wettstreit um die lukrative Braut ausgestiegen. Das bisherige Privatisierungsverfahren könnte allerdings noch umgestoßen werden, falls derzeit laufende Beschwerden anderer ebenfalls nicht in die engere Wahl gekommener Bewerber durchgehen.
Die erste Auswahlrunde war allerdings auch noch von anderen Unklarheiten in wichtigen Details überschattet. Vor allem ließ sich aufgrund der komplizierten Rechtslage für die im Laufe der 90er Jahre eingestiegenen Minderheitsaktionäre zunächst nicht exakt sagen, welcher Anteil tatsächlich zum Verkauf stand: Der Staat hielt zum Ausschreibungsbeginn noch 78,54 Prozent der Aktien, war aber aufgrund von früheren Vereinbarungen verpflichtet, den privaten Kleinaktionären eine Vergrößerung ihres Anteils mittels einer Kapitalerhöhung zuzugestehen.
Diese Kapitalerhöhung ging dann erst während der Ausschreibungsphase über die Bühne und reduzierte den Staatsanteil auf 66,78 Prozent. Erst in den nächsten Tagen wird in Verhandlungen zwischen dem Finanzministerium und den privaten Minderheitsaktionären festgelegt, unter welchen Bedingungen der größte Teil der Minderheitsanteile wieder zum gesamten Angebotspaket dazukommen wird. Unter der Bedingung, daß keine der eingereichten Beschwerden gegen das Privatisierungsverfahren Erfolg hat, läuft die Frist für die vier ausgewählten Interessenten, ihre definitiven Kaufangebote abzugeben, bis 1. Dezember. Nach dem Willen der slowakischen Regierung soll die Privatisierung möglichst noch dieses Jahr, spätestens aber bis Ende Januar 2002, abgeschlossen sein.
Daß mehr Wettbewerb nicht immer mit Verbilligungen für den Konsumenten einhergehen muß, werden die slowakischen Versicherungskunden aber vor allem nach der Freigabe der Kfz-Pflichtversicherungen zu spüren bekommen: Für sie wird die Marktliberalisierung nämlich paradoxerweise zunächst keine niedrigeren, sondern sogar wesentlich höhere Prämien bringen. Die künftigen Konkurrenten der SP kritisieren nämlich unisono, daß mit dem bisherigen Verhältnis von Prämienaufkommen und Zahlungsverpflichtungen keine Versicherung überleben könne.
Um aber einen zu großen Prämienschock für die Kunden zu vermeiden, behält sich der Staat auch nach der Öffnung des Marktes ein gewisses Regulierungsrecht vor: Für Prämienerhöhungen gelten in den kommenden Jahren noch flexible Obergrenzen, die sich am tatsächlich von den Versicherungen zu tragenden Gesamtschadensvolumen und am Verbraucherpreisindex orientieren.