Gute Noten für Wifo & Co., Grasser fordert Reformen

"Politik raus" aus den Kontrollgremien der Wirtschaftsforschungsinstitute, fordert Finanzminister Grasser.

WIEN (schell). Mit Spannung wurde das Gutachten über die Arbeit der drei heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo, IHS und WIIW (Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche) erwartet. Angeheizt wurde die Debatte durch FP-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn, der - während die Experten am Werke waren - die hohen Kosten der Institute geißelte und eine Beschränkung der öffentlichen Mittel auf ein einziges Institut forderte. Am Donnerstag, als das Ergebnis der Studie in Wien der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, mußte aber auch Parteikollege Karl-Heinz Grasser einräumen: "Die Evaluierung hat klar gemacht, daß alle drei Institute ihre Berechtigung haben." Eine Zusammenlegung der drei Institute sei damit vom Tisch.

Die größten Geldgeber, Finanzministerium, OeNB und Wissenschaftsministerium, haben die Ökonomen Silvio Borner (Uni Basel), Wolfgang Franz (Uni Mannheim) und Gerhard Clemenz (Uni Wien) beauftragt, die drei Institute auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Ergebnis, grob zusammengefaßt: Wifo, IHS und WIIW sind international konkurrenzfähig, ihre Forschungstätigkeit wird als gut bewertet. Überschneidungen zwischen den Instituten gebe es kaum.

Freilich fanden die Experten auch Kritikpunkte. Etwa im Falle des Wifo, das zu wenig Karrierechancen biete. Das IHS wiederum solle noch enger mit den Universitäten zusammenarbeiten. Zurückgewiesen wird von Clemenz allerdings die Kritik, daß die Forscher zu teuer kämen. Er verweist dabei auf Aussagen von Wifo-Chef Helmut Kramer. Demzufolge belaufen sich die staatlichen Förderungen für die drei Institute auf ein Zehntel jener Summe, die Deutschland für seine Institute ausgebe. Deutschland habe zwar zehnmal so viele Einwohner wie Österreich, die wirtschaftspolitischen Fragen seien aber hierzulande nicht ein Zehntel jener von Deutschland.

Grasser fordert indessen Verbesserungen in der Struktur der Institute. Sie sollen wie moderne Unternehmen aufgebaut sein und über einen Vorstand und einen Aufsichtsrat verfügen. "Die Politik muß raus aus den Kontrollgremien, die Financiers müssen rein", so Grasser. Nicht zuletzt die Besetzung des Wifo-Kontrollorgans dürfte der FPÖ ein Dorn im Auge sein. So finden sich dort zahlreiche der linken und rechten Reichshälfte zurechenbare Mitglieder, aber keine Freiheitlichen. Ein Umstand, der als Motiv für die Durchführung der Studie nicht unwesentlich gewesen sein könnte, vermuten FP-Kritiker.

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