Betriebsversicherungen. Manche Risiken werden überhaupt nicht mehr versicherbar sein, die Selbstbehalte werden ausgebaut, die Prämien um bis zu 200 Prozent verteuert.
WIEN (per). Betriebe müssen für Versicherungsdeckung (vor allem Feuer oder Betriebsunterbrechung) ab Jänner tiefer in die Tasche greifen. Damit kommen auf Unternehmen allein Österreich Mehrkosten von bis zu zehn Mrd. S zu. Derzeit beträgt das Prämienvolumen in der sogenannten Industrieversicherung fünf Mrd. S, doch sie müssen um 50 bis 200 Prozent angehoben werden, kündigte der Vorsitzende der Sektion Sachversicherung im Versicherungsverband, Uniqa-Vorstand Paul Moritz am Mittwoch an.
Bereits im Vorjahr machte der Verlust zwischen Prämieneinnahmen und ausbezahlten Schadensleistungen eine Mrd. S aus. Doch durch die infolge der Terroranschläge in den USA unter Druck gekommenen Rückversicherer (dort versichern sich Erstversicherer) werde die Verteuerung der Industrieversicherungsprämien deutlich stärker ausfallen. Nach dem 11. September haben Rückversicherer ihre Risikokapazitäten (Grenzen der Schadensbedeckung) international stark zurückgenommen. Gleichzeitig steige aber der Rückversicherungsbedarf. Als Folge können Risken nur noch zu höheren Kosten versichert werden, erklärten die Sparten-Vorstände Heinz-Werner Hof von der Allianz, Karl Fink von der Wiener Städtischen und Luciano Cirina von der Generali.
Die Erhöhungen ab 2002 werden je nach Betrieb unterschiedlich ausfallen. "Grundsätzlich läßt sich sagen: Wer mehr Risk-Management zur Prävention von Großschäden betreibt und wer mehr Selbstbehalt in Kauf nimmt, muß nicht mit so einer kräftigen Verteuerung rechnen", sagt Moritz. Im Schnitt kalkulieren Unternehmen für alle Versicherungen zusammen zwei bis fünf Prozent ihrer Kosten, so Cirina.
Terrorfolgen, die in vielen Industrieverträgen derzeit nicht ausgenommen sind, würden ab 2002 eigentlich nicht mehr versicherbar sein, "und wenn, dann kaum bezahlbar", sagt Fink. Dies würde etwa die bei der Wiener Städtischen versicherte OMV nahe des Flughafens Schwechat betreffen, die mit einer kräftigen Prämiensteigerung rechnen müsse.
Direkt von den Anschlagsfolgen in den USA seien heimische Versicherer (als Rückversicherer) nur sehr gering betroffen. In Summe gehe es dabei für die Branche um weniger als 20 Mill. S (1,45 Mill. Â), so Moritz.
Staat stärker einbinden
Daß in Österreich in dieser Situation die neue Besteuerung der Schadensreserven in Kraft trete, sei ein zusätzlicher Wermutstropfen. Dadurch werde eine ausreichende Reservenbildung der Sachversicherer verhindert, so die Branchenvertreter. Neue Verhandlungen mit dem Finanzminister werden angestrebt. Dabei soll auch um die stärkere Einbindung des Staates bei der künftigen Deckung von Terror- und Katastrophenschäden gehen. In Großbritannien, Frankreich, Italien oder Spanien gebe es für solche Fälle einen "Pool", in den ein kleiner Teil der Sachversicherungsprämien fließt, vom Staat gebe es eine Haftung.
Heuer sollen die Schäden in der Industrieversicherung um 20 Prozent über den Einnahmen liegen. Großrisken seien von heimischen Gesellschaften bis zu 80 Prozent rückversichert.