Als Metallschrott und Dämmaterial endet das Geld von heute, sobald wir den Euro in der Geldbörse haben.
WIEN (dom). Es heißt "verstalten" - auch wenn verunstalten eigentlich passender wäre: Wenn ab dem 1. Jänner 2002 der Euro gesetzliches Zahlungsmittel ist, müssen die alten Schillingmünzen aus dem Verkehr gezogen und entwertet werden. Insgesamt 9000 Tonnen Hartgeld - was in etwa dem Gewicht des Eiffelturms entspricht - werden in den nächsten Monaten von einer lärmenden Maschine unter großem Druck verbogen. Die gewellten Exemplare von Schilling & Co. sind dann nicht mehr als Zahlungsmittel verwendbar.
Der Schilling-Schrott wird durch das Verstalten zum Recycling-Material, erläutert Dietmar Spranz, Direktor der Münze Österreich AG, einer Tochter der Oesterreichischen Nationalbank. Der Münzschrott wird an Metallhändler abgegeben, die derartige Legierungen weiterverkaufen. "Unsere Altmünzen sind bei den Metallhändlern besonders beliebt, weil sie ein besonders reinsortiger Schrott sind," erläutert Spranz.
Getränkedosen, Armaturen
Vor dem Verstalten, das zentral im Logistikzentrum der Münze Österreich in Wien-Freudenau passiert und bereits jetzt auf vollen Touren läuft, werden die Münzen natürlich gezählt, auf ihre Echtheit überprüft und sortiert.
Ein Teil der alten Münzen kehrt möglicherweise in Form neuer Euro-Stücke in den Geldkreislauf wieder. Für die Münzen zu zehn, zwanzig und fünfzig Cent können Metallteile aus dem Schilling beigemischt werden. Der Rest wandert als Rohstoff in die Metall verarbeitende Industrie. Die Zehn-Groschenstücke, die aus Aluminium mit kleinem Magnesium-Anteil bestehen, könnten beispielsweise zu Getränkedosen werden. Ein-Schilling-Münzen und Fünfzig-Groschen-Stücke bestehen aus einer Kupferlegierung. Der Schrott daraus kann überall dort eingesetzt werden, wo man auch sonst Kupferlegierungen verwendet, also für Drähte, Bleche, Barren etc.
Die Münzen zu fünf und zehn Schilling bestehen aus einer Nickellegierung. Daraus ließen sich zum Beispiel Schiffsreelings herstellen, weil das Material seewasserfest ist. Aber auch für Armaturen in Küchen und Badezimmern wären die ausgedienten Zehner und Fünfer einsetzbar.
Die überflüssigen Schilling-Banknoten werden zunächst in kleine Schnipsel zerteilt, also "geschreddert". Eine Wiederverwertung der Fasern des Banknotenpapiers für Recyclingpapier ist grundsätzlich möglich, aber für die Papierindustrie nicht rentabel.
Eine Kompostierung der Banknoten-Schnitzel ist laut einem Gutachten der Niederösterreichischen Umweltschutzanstalt nicht zulässig. Eine thermische Verwertung, also ein Verheizen in der Müllverbrennung, wäre grundsätzlich möglich. Aus ökologischen Gründen - ein Problem sind vor allem die Farbrückstände auf dem Banknotenpapier - hat sich die Oesterreichische Nationalbank allerdings anders entschieden. Daher werden jene Scheine, die noch heute in unseren Brieftaschen sind, in wenigen Monaten mit Füßen getreten: Sie werden zu Trittschall- und Wärmedämmaterial verarbeitet.
In einem Durchschnittsjahr fallen rund 120 Tonnen Banknotenreste zur Entsorgung an. Im Jahr des gesamten Schilling-Rücklaufs werden es 550 Tonnen sein, das entspricht übereinander gestapelt 550mal der Höhe des Stephansdomes, hat die Nationalbank ausgerechnet.