Die Euro-Scheine weisen Motive auf, die es in der Realität nicht gibt. Auf nationale Berühmtheiten, Bau- und Kunstwerke wurde bewußt verzichtet.
WIEN. Der Zwanziger ist nicht mehr braun, der grüne Schein ist nicht mehr 100 Schilling, sondern 100 Euro wert, und mit Grau, Ocker und Lila kommen ganz neue Farben in österreichische Geldbörsen. Auf den ersten Blick wirken die neuen Euro-Banknoten fremd. Dabei entstammen sie der Phantasie eines Österreichers: Robert Kalina, Designer der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), setzte sich mit seinen Entwürfen zum Thema "Zeitalter und Stile Europas" im Jahr 1996 bei einem Gestaltungswettbewerb des damaligen Europäischen Währungsinstituts durch.
Auf prominente Köpfe oder berühmte nationale Bau- und Kunstwerke wurde ganz bewußt verzichtet - man wollte auf keinen Fall Anlaß für chauvinistische Eifersüchteleien bieten. Die Motive der Euro-Banknoten sind aus diesem Grund quasi "wirklichkeitsfremd" - es gibt sie in der Realität nicht.
Auf der Vorderseite des neuen Papiergeldes sind neben der europäischen Flagge geöffnete Fenster und Türen zu sehen, die das neue, offene Europa symbolisieren sollen. Die Rückseite zieren neben einer Landkarte des alten Kontinents Brücken, die das Verbindende in Europa ausdrücken sollen.
Die Bezeichnung der neuen europäischen Währung erfolgt in lateinischer und griechischer Schrift. Die Abkürzungen der Europäischen Zentralbank steht zudem in fünf Varianten - BCE, ECB, EZB, EKT und EKP - auf den Scheinen. Nationale Symbole gibt es allerdings auf den Scheinen im Gegensatz zu den Euro-Münzen nicht. Deren Rückseiten zeigen nationale Motive der zwölf EU-Teilnehmerstaaten der Währungsunion.
Markante Farbgebung
Jeder der sieben Euro-Scheine steht für eine Epoche der europäischen Kulturgeschichte. Je höher der Wert, desto größer die Banknoten. Um ein Verwechseln zu verhindern, weist jeder Geldschein eine markante Farbe auf:
[*] Der graue Fünfer ist der kleinste Schein. Das dargestellte Tor ist ein Stil-Element aus der griechisch-römischen Antike.
[*] Der Zehner in kräftigem Rot zeigt einen runden Torbogen in romanischem Stil.
[*] Der blaue Zwanziger präsentiert die Gotik. Diese ist am Spitzbogen der Fenster (Vorderseite) oder am Strebe-Werk der Brückenpfeiler (Rückseite) zu erkennen.
[*] Orange ist die Farbe des 50-Euro-Scheins. Säulen und einfache Proportionen kennzeichnen den Baustil der Renaissance.
[*] Auf dem grünen Euro-Hunderter ist der Barockstil mit seinen üppig verzierten Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert abgebildet.
[*] Der Zweihunderter ist ockerfarben. Er zeigt Elemente der Eisen- und Glasarchitektur aus der Zeit der Industrialisierung.
[*] Der 500-Euro-Schein ist lila. Der größte Euro-Banknote zeigt Symbole moderner Architektur Ende des 20. Jahrhunderts.
Die architektonischen Motive auf den Euro-Scheinen lassen sich übrigens auch "erfühlen", weil sie per Stichtiefdruck aufgebrachten wurden. Dies soll vor allem blinde und sehbehinderte Menschen vor Betrug schützen. Zum Schutz vor Fälschungen sind in die sieben Euro-Banknoten zudem Wasserzeichen und Sicherheitsfäden eingearbeitet. Beim Kippen lassen sich noch dazu changierende Lichteffekte auf Perlglanzstreifen und bei den Scheinen ab 50 Euro aufwärts Architektur-Hologramme und mehrfarbige Wertzahlen erkennen.
Farblich dominiert wird der europäische Bargeld-Verkehr künftig von Orange und Blau. Der 50-Euro-Schein wurde nämlich mit einer Stückzahl von 3,674 Milliarden am häufigsten gedruckt, dicht gefolgt von der 20-Euro-Note mit 3,608 Milliarden Stück. Am seltensten ist vorläufig der 200-Euro-Schein mit einem Andruck von "nur" 229 Millionen Stück. Insgesamt wurden bisher etwa 14,5 Milliarden Euro-Banknoten gedruckt - eine Auflage, von der jeder Graphik-Designer nur träumen kann - außer er heißt Robert Kalina.